Die PrEP kommt…

Ich glaub es geht schon wieder los: In zwei Tagen starten die Positive Begegnungen 2016 in Hamburg. Ich freue mich von dort für euch über viele spannende Themen und Neuigkeiten zu HIV/Aids in meinem Blog flosithiv.com zu berichten.

Folgt gerne diesem Blog, liked, kommentiert und diskutiert mit mir und meinen Gesprächspartnern – wir freuen uns drauf. Die Positiven Begegnungen finden alle zwei Jahre statt und bieten der Community eine Plattform zur Weiterbildung und zum Austausch bis zum kommenden Sonntag in der schönen Hansestadt.

Und im Vorfeld der PoBe stehen die Zeichen bei der EU schon mal ganz gut: Die EU-Komission erteilte gestern die Zulassung zur HIV-PrEP. Sie verhindert die Übertragung von HIV prophylaktisch. Neben dem Kondom bietet die PrEP eine weitere Schutzmöglichkeit vor dem HI-Virus. Vorallem schwule Männer mit hohem HIV-Risiko bietet die PrEP zukünftig eine gute, weitere Schutzmöglichkeit.

Mehr Infos zur PrEP findet ihr bereits bei mir im Blog unter:

https://flosithiv.com/20…/…/24/darf-ich-doktor-zu-dir-sagen/

Neben dem Medizinreferenten Armin Schafberger (den ich so gern den Ehrendoktor verleihen würde) sprach ich bei meiner Teilnahme der Welt-Aids-Konferenz in Durban/Südafrika auch mit Dr. (diesmal wirklich ein Doktor-Titel ;-)) Will Nutland von Prepster.info – einer Seite die Menschen beim Erwerb der PrEP behilflich ist. Seht selbst:

Olympisches Gold: HIV-Vorsorge in Brasilien

Zum Auftakt der Olympischen Spiele schaut flosithiv.com nach Rio de Janeiro

image
Ich bin ein positiver Journalist. Nicht nur aufgrund meines seit langem öffentlichen HIV-Status, sondern vielmehr aufgrund meiner Einstellung zum Leben und der Art und Weise mit der ich an die Berichterstattung herangehe. Wenn ich beim allmorgendlichen Blick heute über die Medienlandschaft das sichte, was meine Kolleg*innen der Tagespresse so über die gestrige Eröffnung der 31. Olympischen Spiele in Rio de Janeiro so schreiben, dann wird mir übel.

Mit sportlicher Berichterstattung hat dies sowieso nichts zu tun, jedoch so scheint es, bedient man in nicht enden wollenden Berichten all die Leser, die sich bei der morgendlichen Zeitungslektüre daran erquicken, was in anderen Ländern und Städten doch alles nicht funktioniert. Da liest man von verdrecktem Wasser, von Umweltsünden, von nicht fertiggewordenen Bauarbeiten und vom Drogenkrieg.

Keine Frage – das „System Olympia“ ist korrupt und hinterlässt wo immer es auftaucht Spuren. Teils hässlich und nicht hinzunehmende Spuren wie die Zwangsumsiedelungen von Menschen die im Vorfeld der Spiele in Rio stattgefunden hat. Wissen wir also und schauen trotzdem brav weiter mit einem Gläschen Wein in der Hand die ach so bunt gestaltete Eröffnungsfeier. Schön ist das.

Nein, ich möchte jetzt nicht auf die mediale Macht jedes Einzelnen hinweisen, vielmehr möchte ich – wie angekündigt – einen positiven Beitrag zum Gastgeberland veröffentlichen. Denn bei der PrEP – also der Vor-Risiko-Vorsorge vor HIV – ist Brasilien vielen anderen Teilnehmerländern der olympischen Spiele einen ganzen Schritt voraus. Wie ihr wisst, war ich kürzlich auf der Welt-Aids-Konferenz in Durban. Und genau dort kündigte Adele Benzaken, Chefin der Fachabteilung für HIV und Aids im brasilianischen Gesundheitsministerium an, bereits ab Ende 2016 die HIV-PrEP für besonders betroffene Zielgruppen kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Das heisst im Klartext: Wer eine erhöhte Gefahr hat, sich mit HIV zu infizieren – hierzu zählen insbesondere Männer die Sex mit Männer haben, Trans*-Menschen und Sexarbeiter*innen – bekommen ab Ende des Jahres die Tablette, die vor einer HIV-Infektion schützt auf Staatskosten verschrieben. Vorbildlich.

Und noch was: Die knapp 750.000 Menschen die in Brasilien bereits mit HIV leben bekommen schon seit geraumer Zeit ihre HIV-Behandlung vom Staat bezahlt. Das ist also weit über dem was andere Ländern für die HIV-Vorsorge und HIV-Behandlung leisten.

Das ist in Sachen HIV-Vorsorge nicht nur vorbildlich. Das ist ganz sicher olympisches Gold.

image

Florian Winkler-Ohm ist Journalist und HIV-positiv. Der gebürtige Augsburger lebt mit seinem Freund in Berlin und betreibt unter anderem den HIV-Blog flosithiv.com.

34 Millionen Gründe für unsere Arbeit

image

Die 21. Welt-Aids-Konferenz ist geschafft: In diesen Minuten warten Armin und ich in Johannesburg um von dort aus wohl mit rund sechs Stunden Verspätung Richtung München zu fliegen. Unser Anschlussflug von München nach Berlin ist damit leider garantiert weg – aber hey, ich habe es schon einmal vor vier Jahren von Bayern nach Berlin geschafft – das wird uns auch morgen gelingen 😉

Acht Tage Konferenz liegen hinter uns und mit ihr die Erkenntnis: Diese 21. Welt-Aids-Konferenz fand am richtigen Ort statt. In Durban, einer Stadt die auf einem ihrer größten innerstädtischen Plätze eine große rote Aids-Schleife als Denkmal errichtet hat: ein starkes Zeichen – ein „Denk-mal“, eine Mahnung: Hier in Afrika endet HIV immer noch in den meisten Fällen tödlich.

Zugang zu HIV-Medikamenten für jeden Menschen: Was in Deutschland für die allermeisten eine Selbstverständlichkeit ist, ist knapp 9000 km weiter noch ein rares Gut, dass wahrhaftig über Leben oder Tod entscheidet. Und leider gewinnt hier der Tod in den meisten Fällen.

Nicht, weil Medikamente nicht verfügbar wären. Nicht weil sie mit deutschen Therapiepreisen von rund 1500 – 2000 Euro im Monat fernab jeder Diskussionsmöglichkeit wären.

Nein, sondern weil…

– der Preis für die Medikation von rund einem Euro am Tag hier zu viel ist für die Menschen die im Durchschnitt 80 Cent pro Stunde verdienen.

– hier immer noch die Hautfarbe über Einkommen, medizinischen Zugang und somit über den Zugang der Therapie entscheiden.

– fehlendes Wissen zu Therapiemöglichkeiten und dem Schutz vor einer Infektion immer noch die größten Herausforderung sind, die dieser Kontinent mit unserer Hilfe zu bewältigen hat.

Als vor 16 Jahren schon einmal die Welt zu Gast in Durban war, stand unser Kampf gegen diese Infektion noch am Anfang. An einem schrecklichen Anfang. Damals starb hier jede Minute ein Mensch an den Folgen von AIDS. Jede Minute ein Leben.

Und heute? Heute leben in Südafrika rund 3,4 Millionen Menschen mit HIV. Das sind soviel Menschen wie Berlin Einwohner hat! Und nicht genug: Weltweit haben sich zwischenzeitlich rund 34 Millionen infiziert – in Zahlen: 34.000.000. Mehr als der Hälfte dieser Menschen fehlt der Zugang zur Therapie. Und weil wir das vor lauter Statistiken und Zahlen oft vergessen:

Es geht um Menschen – es geht um 34.000.000 Menschen!!!

Für jeden einzelnen lohnt sich unsere Anstrengung: Zusammen mit 18.000 Aktivisten, Wissenschaftlern, Ärzte, Pharma- und Regierungsvertretern haben wir in den vergangenen acht Tagen daran gearbeitet die Welt ein kleines Stückchen lebenswerter zu machen.

Hier in Durban haben wir gemeinsam dafür gekämpft, gefordert und angeklagt dass…

– Regierungen nicht die Mittel für die HIV-Arbeit kürzen

– Menschen mit HIV mehr Rechte und weniger Stigmatisierung erfahren

– Mediziner sich vernetzen, austauschen und gemeinsam arbeiten können

-HIV-Aktivisten netzwerken konnten und in ihrer Arbeit bestärkt wurden

– besonders von HIV betroffene Gruppen – wie Sexarbeiter*innen oder Drogengebraucher*innen bessere Gesetze und Sicherheit für ihr Leben bekommen

– die Pharmaindustrie nicht auf Kosten von Menschenleben ihre Profitgier stillt

Es war eine anstrengende Woche, es waren lange Tage und es waren berührende Gespräche.
Aber es war auch ein Wir-Gefühl, eine unglaubliche Inspiration und Motivation.

Es war die beste Woche in meiner Arbeit als HIV-Aktivist und die Bestätigung: Dieser Einsatz – den viele großartige Menschen haupt- und ehrenamtlich leisten ist unverzichtbar für diese Welt.

Es geht nicht um eine lustige Abwechslung auf CSDs, es geht nicht um das Verteilen von Kondomen in Clubs, es geht nicht um das Zuhören, Beraten und Begleiten nach einer Infektion.

Es geht um den wichtigsten Grund überhaupt: Den Menschen.

Genauergesagt um 34 Millionen einzelne, wertvolle Gründe!

Ihr helft uns nicht: Unsere Kinder sterben noch immer

Gestern abend, 19 Uhr: Feierabend im Global Village. Ab ins Taxi und auf zum Supermarkt. An der Theke gibt es frisches Gemüse und Fisch vom Grill. Wir haben Hunger und als wir an der Reihe sind fällt der Blick der Angestellten auf unser Konferenzschild: AIDS 2016 – Deutsche Delegation. Das Gesicht der Mitarbeiterin verfinstert sich: „Über was redet ihr da eigentlich auf der Konferenz? Unsere Kinder sterben nach wie vor“. Wir sind verdutzt und bevor wir antworten können kommt eine zweite Mitarbeiterin ums Eck mit den Worten: „Wo ist die versprochene Therapie – wieso bekommen wir sie nicht?“. Wir sind geschockt.

Um Worte ringend erklären wir zuerst, dass wir nicht für die Pharmaindustrie arbeiten. „Wir arbeiten für die Menschenrechte. Wir arbeiten für Menschen, die mit HIV leben.“ Der Blick der beiden verändert sich, ein Lächeln erscheint. Tanja stellt final klar: „Wir setzen uns für Menschen und gegen Rassismus ein.“ Rassismus – das ist das Wort, das alles verändert. Beide heben die Arme: „Rassismus! Genau das ist unser Problem!“

Es beginnt ein intensives Gespräch, dass uns bewegt. Vielleicht eines der bewegendsten Gespräche dieser Woche. Rassismus – dieser Aspekt wurde die ganze Woche kaum in einer der Veranstaltungen benannt. Tragisch, denn Rassismus prägt den Alltag, verhindert nach wie vor Millionen von Menschen den Zugang zu Medikamenten, Rassismus tötet. Noch immer.

Es ist an der Zeit darüber nachzudenken, wie HIV-Prävention und Rassismus zusammenhängen? Und mehr: Welche Folgen hat die bestehende Ignoranz dieses Problems langfristig für unsere Arbeit und unsere Gesellschaft? Es ist Zeit für ein Umdenken – weltweit.

image

Diana wäre stolz gewesen: Elton John & Prinz Harry begeistern

image

England. Oh ja, da denken die meisten in diesen Zeiten als erstes wohl an „Brexit“- an Menschen die den europäischen, den gemeinschaftlichen Weg verlassen wollen. Aber nein: Hier in Durban sind gerade zwei herausragende Vertreter des Landes auf der Bühne: Sir Elton John & Prince Harry.

Und sie begeistern rund 1000 Menschen – viele davon sind Jugendliche – hier im größten aller Seminarsäle mit Weltoffenheit, Zusammenhalt und ganz viel Hoffnung. Prinz Harry spricht rund acht Minuten und lässt in keiner Sekunde einen Zweifel daran, dass er in die Fußstapfen seiner großartigen Mutter getreten ist: „Keiner hat zu dem Zeitpunkt als meine Mutter einem Aids-Kranken die Hand gehalten hat geglaubt, dass wir diese Krankheit besiegen“ so der Prinz. Diana hat darum gekämpft, ihr Sohn führt ihre Arbeit nunmehr fort und unterstützt die Arbeit der Elton John Foundation.

image

Die Stiftung des wunderbaren Musikers und Aids-Aktivisten unterstützt insbesondere an HIV-erkrankte Kinder, lädt Sie zu Trainingscamps ein, um sie über die Infektion und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und macht sie so zu Multiplikatoren.

„Es ist endlich an der Zeit, dass sich kein Mensch mehr dafür schämt, HIV-positiv zu sein.“ Elton John hat recht: Auch in Deutschland verhindern Diskriminierung und Stigmatisierung, dass sich junge Menschen testen lassen – das muss aufhören. Jetzt.

„Stigma is the biggest killer“ sagt der Musiker – Stigmatisierung tötet mehr Menschen als die Infektion, die zwischenzeitlich unter Therapie zu einer gleichen Lebenserwartung führt, wie bei Menschen die nicht von HIV betroffen sind. „Ich möchte sehen, dass die Welt sich ändert“, schreit Sir Elton John ins Publikum – und alle hier fühlen wie er.

Er erzählt von seiner Jugend, wie seine Eltern wollten dass aus ihm ein angepasster Mann wird – „das konnte ich bis heute nicht erfüllen“, sagt er lachend und ergänzt: „aber ich habe auf mein Herz gehört.“ Er erzählt von seiner Begeisterung für Elvis Presleys Musik, der auch niemals angepasst war. Er benennt sein Alkoholproblem und den Wendepunkt an dem er gemerkt hat: „Meine Bestimmung ist es ein Anwalt und Aktivist für Menschen mit HIV und Aids zu sein“.

Und er erzählt auch von seiner Freundin Diana: “ Sie gab denen eine Stimme die keine hatten. Diana hatte ein Herz aus Gold“. Tränen laufen den meisten hier über den Wangen, die Power die von seiner Rede ausgeht ist enorm. Ihm gelingt es aber dabei, nicht in der Vergangenheit zu verweilen, sondern den vielen jungen Menschen im Saal zu sagen: „Ihr seid die Zukunft. Ihr seid diejenigen, die alles dafür tun müssen damit wir eine AIDS-freie Welt erreichen“.

Und ich bin mir sicher: Wir schaffen das.

HIV-PrEP-Interview unter Palmen: Dr. Will Nutland & Flo

Auch hier in Durban wird umfangreich über die PrEP diskutiert. Bei der Pre-Exposure Prophylaxis (PrEP) nehmen HIV-negative zum Schutz vor einer Ansteckung HIV-Medikamente ein. Das kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn man sich aufgrund bestimmter Risikosituationen temporär vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen möchte.

Viele Kritiker meinen: Wieso soll ich eine Pille (Prophylaxe) schlucken um die Einnahme einer anderen Pille (HIV-Mediaktion) zu verhindern? Ganz einfach: Weil jeder von uns Zeiten im Leben hat, in denen er oder sie besonders sexuell aktiv ist und damit auch ein erhöhtes Infektionsrisiko hat. Nimmt jemand in dieser Zeit die PrEP und bleibt von einer Infektion verschont, kann so zu einem späteren Zeitpunkt im Leben – an dem kein  Risiko mehr für eine Infektion besteht – ein Leben ohne HIV-Medikamente geführt. Ob und für wen das Sinn macht – darüber muss sich jeder selbst sein Urteil bilden.

Unbestritten ist: Die PrEP ist – richtig angewendet – ein wirksamer Schutz vor der Ansteckung mit HIV. Genügend Studien beweisen das inzwischen. Hätte es die Möglichkeit vor zehn Jahren bereits gegeben: Ich hätte sie genutzt.

Mehr Infos zur PrEP findet ihr hier:

HIV-PrEP: HIV-Medikamente für Negative zum Schutz vor einer Ansteckung

Als ich vorhin Dr. Will Nutland (London School of Hygiene & Tropical Medicine) am Stand traf, der hier fleissig für prepster.info unterwegs ist, war mir klar:

Schnapp dir den Mann, die Kamera und die nächste Palme.

Hier seht ihr (auf englisch) was dabei rauskam:

VIDEO ist in Kürze verfügbar. 

 

 

Der Schlüssel sind wir.

image

Die 21. Welt-Aids-Konferenz startet öffnet in diesen Minuten ihre Tore. Bis zum Wochenende tauschen sich hier rund 18.000 Wissenschaftler, Ärzte, Hilfsorganisationen und Aktivisten aus. Workshops, Vorträge, Demonstrationen – alles mit einem gemeinsamen Ziel: Eine Aids-freie Welt bis 2030.

An unserem Stand – der Deutschen Aids-Hilfe – begrüßen Matthias und ich seit einer Stunde Menschen aus der ganzen Welt. Es herrscht ein großer Andrang hier im Global Village. Besucher lassen sich bei uns fotografieren mit dem Spruch: I AM THE KEY.

Es geht um die KEY POPULATIONS – die Hauptbetroffenengruppen – über die so gern gesprochen wird. Doch wer sind diese Gruppen?

Die Antwort ist simpel und dennoch so bedeutend: Wir!

Die Menschen mit HIV, MSM (Männer die Sex mit Männern haben),Drogengebraucher*innen, Gefangene, Sexarbeiter*innen, Migrant*innen und viele mehr.

Wir fordern nicht über uns zu sprechen, sondern mit uns. Seit über 30 Jahren kämpfen wir genau hierfür in Deutschland: Für unser Mitspracherecht, für unsere Beteiligung, für unser Leben.

Es geht um uns – um über 80.000 HIV-Positive in Deutschland.

Der Schlüssel sind wir.