Sonntagsfrage: Wie alt ist Patrik Maas?

Im Rahmen der Welt-AIDS-Konferenz traf ich den Landesgeschäftsführer der AIDS-Hilfe NRW: Patrik Maas.

Im Interview sagt er: „U equals U – ein Thema, wo ich sage da waren wir nicht gut genug in den letzten Jahren. Da können wir mehr machen.“

Dies und viele Themen mehr inklusive der geheimen Formel zur Berechnung von Patriks Alter findet ihr hier im Video:

🔞Sicherheitshinweis: Unüberlegte Altersschätzungen in den Kommentaren könnten Ihre Beziehung zu Patrik Mass nachhaltig beeinflussen.

Auf Wiedersehen, Amsterdam.

❤️lichen Dank euch allen für die großartige Unterstützung zur Welt-AIDS-Konferenz.

Auch in den nächsten Tagen blogge ich hier noch Videointerviews mit spannenden Menschen, engagierten Aktivist_innen und Freund_innen im gemeinsamen Kampf für die Rechte von Menschen mit HIV & AIDS.

Es bleibt spannend. Es bleibt viel zu tun. Es bleibt eine Herausforderung.

Bye, bye aus Amsterdam – euer Flo. 💋

Sexwork is work

Gestern Abend war ich auf einem Highlight der Konferenz: der Sex Worker´s Opera.

Ein Theaterstück das von Sexarbeiter_innen und ihren Freund_innen initiert und auf die Bühne gebracht wurde – schon lange habe ich nicht mehr so etwas empowerndes, ergreifendes und lehrreiches gesehen wie dieses Kunstprojekt.

Im ältesten Gewerbe der Welt gibts viele Herausforderungen – und viele tolle Menschen die im Rahmen der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam für diese Rechte kämpfen. Denn: Sexarbeit ist Arbeit.

In keinem anderen Gewerbe gibt es wohl so viel Voreingenommenheit, Stigmatisierung, falsch verstandene Fürsorge und gleichzeitig so wenig Rechte für die Menschen die diesen Beruf gewählt haben.

Diesen Problemen hat sich das Projekt Sex Workers Opera angenommen und einen 3stündige Initierung auf die Bühne gebracht, die sich mit großen Theaterhäusern in der Qualität auf jeden Fall messen darf.

22 Mitwirkende erzählen ihre Gesichten, singen, tanzen und performern aus der Welt ihrer Arbeit und machen dabei klar: ihre Arbeit ist genausowenig illegal wie jede andere Arbeit auch. Es muss endlich ein Ende damit sein, die Menschen die sich im ältesten Gewerbe der Welt engagieren zu kriminalisieren, sie zu verfolgen, anzuklagen und der Willkür von Polizei und Behörden auszusetzen.

Es fehlt am Schutz für diese Personengruppe – vermeintliche Prositutionsgesetze sind nicht im Sinne der Sexarbeiter_innen. Im Gegenteil: Das „Schwedische Modell“ – ein Gesetz dass fortan die Freier kriminalisiert ist nicht im Sinne der Community: Denn wie sollen Menschen ihre Rechnungen, ihre Miete, den Babysitter bezahlen wenn plötzlich die Nachfrage aus Angst vor Verfolgung kleiner wird.

Wie sieht es mit der eigenen Familie vieler Sexarbeiter_innen aus: Wie akzeptiert werden selbstbestimmte Sexarbeit, wie viel Empowerment, wie viel Freundschaften, wieviel Unterstützung bekommen Menschen aus diesem Bereich?

Mit welchem Recht nehmen sich Staaten raus die in diesem Gewerbe arbeitenden Menschen so zu behandeln? Warum bekommen diese Menschen nicht den gleichen Zugang zur HIV-Medikation wie andere Gruppen?

Es lohnt sich ins Gespräch zu kommen – hier auf der Konferenz oder wann immer es die Möglichkeit gibt:

Nothing about us. Without us.

Gilt auch für Sexarbeit.

Kommt die HIV-Heilung?

Armin Schafberger, Medizinreferent der Deutschen Aids-Hilfe über die Herausforderung der ethischen Bedenken:

DANKE fürs Folgen meines Blogs, das teilen mitdiskutieren und Verbreiten unserer Botschaften von der Welt-AIDS-Konferenz ♥️🍪♥️

Elton John rastet aus: „That makes me fucking crazy“

Ich mag ja etwas Drama. Ob im SchwuZ oder auf der Welt-AIDS-Konferenz: Menschen mit Leidenschaft sind großartig. Auch Elten John besuchte die Konferenz die noch bis Freitag in Amsterdam stattfindet und rastete hier in der Konferenz kurz aus:

„That makes me fucking crazy“

Hintergrund seiner völlig berechtigten Wut ist die Diskriminierung der LGBTIQ*-Community in Osteuropa. Die Lage für Menschen mit HIV hat sich dort drastisch verschlechtert: Mehr als 100.000 HIV-Neuinfektionen pro Jahr verzeichnet derzeit Russland. Tendenz steigend.

Was für ein Wahnsinn – denn weltweit gehen die Neuinfektionen eigentlich zurück. Wer nach den Gründen für diese Entwicklung sucht, findet schnell die Lösung: Die Homophobie der Regierung verhindert den Zugang zur Medikation: HIV-Aktivist_innen werden weggesperrt, es gibt keinerlei Zusammenarbeit mit NGO-Organisationen wie dies beispielsweise in Deutschland der Fall ist.

UNAIDS ist „äußerst besorgt“ und zwar zu recht: Denn in Russland erhalten 1/3 der von HIV-betroffenen Menschen keinen Zugang zu Medikamenten. Die Folge: eine HIV-Epidemie in Osteuropa mit dramatischen Infektionszahlen.https://www.instagram.com/p/BlnYO-EnFez/?utm_source=ig_share_sheet&igshid=1ww8bk1365hm8

„Politiker müssen menschlicher werden“ forderte daher Elton John wenn das Ziel – die AIDS-Epidemie bis 2030 zu beenden – auch erreicht werden soll. In seiner flammenden Rede mahnte er dazu endlich alle Menschen als Menschen zu behandeln und nicht als Angehörige verschiedener Gruppen.

Die Diskriminierung von drogengebrauchenden Menschen, von Menschen mit HIV, von Menschen der LGBTIQ*-Community in Osteuropa ist derzeit das wohl größte Problem der globalen Anstrengungen im Kampf gegen HIV/Aids.

Dieser Virus macht vor keiner Grenze halt. Wenn es uns nicht als Welt-Gemeinschaft gelingt auf die Regierungen in Osteuropa einzuwirken kann der Kampf gegen Aids nicht gelingen.

Wenngleich ich etwas Drama mag: Lasst uns dieses Drama gemeinsam beenden.

Ihr Pharmakonzerne weltweit – schaut auf diese Stadt

Wieviel darf eine HIV-Therapie kosten? Wieviel Gewinn machen Pharmakonzerne? Welchen Einfluss haben Regierungen? Und für wie viele Menschenleben sind die Entscheider_innen am Ende verantwortlich? Vorweg: für viele.

Weltweit haben immer noch über 40 Prozent der Menschen mit HIV keinen Zugang zu Medikamenten – zwanzig Jahre nachdem die erfolgreichen Kombitherapien es schafften, vielen Menschen das Sterben an den Folgen von Aids zu ersparen gelingt es unserer Weltgemeinschaft immer noch nicht diese Medikamente allen HIV-Infizierten zur Verfügung zu stellen.

Das ist nicht nur zutiefst traurig, sondern am Ende eine Schande. Doch woran liegt es das in einigen Ländern Therapien unbezahlbar sind und in anderen nicht. Wer regelt die Preise? Und was können wir als Community tun?

Mit diesen Fragen habe ich mich heute mit anderen HIV-Aktivist_innen im Rahmen der Vorkonferenz „Community Activist Summit“ (HIV-Community-Aktivst_innen-Gipfel) beschäftigt. Stellen wir mal ein paar unangenehme Fragen:

Kosten HIV-Medikamente in ihrer Herstellung viel?

Nein. Längst sind die Kosten für die Forschung und Entwicklung refinanziert. HIV-Medikamente sind Massenware. Der Herstellungspreise von einer Jahresration an HIV-Medikaton (Generika) liegt derzeit bei rund 33 US-Dollar – das entspricht rund 28 Euro für die Herstellung einer Jahresration an HIV-Mediaktion.

Wird denn weltweit nicht zum gleichen Preis verkauft?

Nein. Die Pharmaindustrie verhandelt mit den einzelnen Staaten. Beide verdienen an diesem Deal. Die Pharma am Absatz, die Staaten an den Steuern. Werfen wir beispielsweise einen Blick auf Länder mit einem gehobenem mittleren Einkommensniveau dann stellen wir allein da drastische Preisschwankungen fest: In Bulgarien kostet die HIV-Medikation für eine Person jährlich 9656 Dollar. Die gleiche Mediaktion ist in Brasilien für 365 Dollar erhältlich.

Sind die Aufschläge und Gewinne in einem normalen Rahmen?

Nein. Es gibt weltweit viele Fälle von massivem Preisaufschlag. HIV-Medikamente werden mit Aufschlägen verkauft, die 100-fach bis hin zu 1000-fach über den Herstellungskosten liegen.

Wie hoch wäre inkl. aller Gewinne ein faier Jahrespreis für HIV-Medikamente?

Generika sollten nach aktuellem Stand und den tatsächlichen Herstellungskosten inklusive aller Aufschläge, Gewinne und Steuern bei ca. 90 US-Dollar pro Jahr für eine_n HIV-Patient_in liegen. Die Realität sieht anders aus.

Haben Länder wie Südafrika wenigstens günstiger Preise?

Nein. Im Gegenteil. Vergleicht man den Jahres-Preis von bestimmter HIV-Medikation für eine Person zwischen beispielsweise Indien und Südafrika wird die unterschiedliche Preispolitik deutlich:

Indien 998 USD pro Jahr. Südafrika 13983 USD pro Jahr. Fair geht anders.

Könnte die Pharmaindustrie mit niedrigen Preisen überhaupt noch Forschung betreiben?

Von 2002 bis 2016 hat die Pharmaindustrie weltweit über 200 Milliarden am Verkauf von HIV-Medikation verdient. Tendenz steigend. Bei längst bezahlten Forschungen für diese Mediaktionen. Fragen wir also andersrum: Wieviel Geld dieser 200 Milliarden wird weiterhin in Forschung investiert? Kein Kommentar.

Ist HIV-Medizin ein Wachstumsmarkt?

Ja, kauft Aktien – wenn ihr in der priviligierten Möglichkeit dazu seid. Zumindest dann wenn für euch Geld vor sozialem Handeln kommt. Die Gewinne mancher Pharmakonzerne haben sich zwischen 2015 und dem zweiten Quartal 2018 im Sekment der HIV-Medikation nahezu verdreifacht.

Zahlt die Pharmaindustrie denn brav ihre Steuern?

Ja – nur nicht da wo es weh tut: Bermudas, Caymen Island, Bahmas, Luxemburg, Irland stehen auf den Adressfeldern der Pharmaindustrie ganz weit oben – eben all die Ländern auf denen Steuern ganz weit unten sind.

Machen es die paar Steuern aus?

Drei Beispiele: Der Konzer Pfizer umgeht in den USA 20 Milliarden an Steuer, bei Merck sind es 16 Milliarden Ersparnis und Johnson & Johnson spart 14 Milliarden. Aber Steuervermeidung klingt natürlich dafür viel angenehmer.

Es ist ernüchternd und frustrierend. Und es ist noch viel Arbeit. Die Pharmaindustrie rettete vielen von uns unser Leben. Dafür danke. Aber ich habe den Anspruch dass dieses Recht jedem Menschen zu Teil wird. Und ja: Es gibt sie auch – die positven Beispiele in denen die Pharmaindustrie die Community mit Kampagnen, Sponsoring, Übernahme von Reisekosten, Teilnahme an Konferenzen unterstützt: mehr davon bitte.

Wir haben die Medikamente – wieso sterben also noch 40 Prozent der weltweit HIV-Infizierten weil ihnen der Zugang fehlt? Antwort: Wegen der Gier auf Geld.

Lasst uns gemeinsam als Community daran arbeiten, dass Zahlen verbreitet werden, dass die Willkür von Preispolitik in diesem Bereich beendet wird und das Gelder ordentlich versteuert werden. Lasst uns dafür kämpfen, dass jeder Mensch ein Recht auf Behandlung hat: #acessforall #ACTIVISTSUMMIT #AIDS2018

Ich freue mich wenn ihr meinem Blog folgt, ihn teilt und mitdiskutiert.

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Was ist der HIV-Community-Aktivisten-Gipfel?

2003 trafen sich unter diesem Namen erstmals 120 HIV-Aktivist_innen aus insgesamt 67 Ländern in Kapstadt/Südafrika um insbesondere die Rechte der Community und den Blick der HIV-positiven Menschen als selbstverständlichen Bestandteil in die Konferenz zu integrieren. Zu dieser Zeit war der Zugang zu Medikation katastrophal und Aktivist_innen waren insbesondere mit den Folgen der Aids-Epidemie beschäftigt.

15 Jahre später werfen wir heute einen Blick darauf wie weit wir weltweit mit dem Engagement gekommen sind: Wie erfolgreich arbeiten HIV-Aktivsten? Und wie kann es gelingen eine klare Forderungs-Agenda zu kreiieren für die Aufgaben, die noch vor uns liegen?