200 Tage ohne SchwuZ

Ein Club ist ein Club ist Intimität ist eine Utopie ist Solidarität ist ein Safer Space ist Alltagsflucht ist eine Vision ist Awareness ist ein Zuhause ist Hedonismus ist ein Mikrokosmos ist Ekstase ist eine Chance.

Seit 200 Tagen ist das alles weg. Wer auf http://www.schwuz.de geht sieht einen Zähler, der seit über sechs Monaten unwillkürlich tickt. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht.

Diesen Blog nutze ich, um über mein Leben mit HIV zu schreiben. Mein Beruf als Geschäftsführer des größten und ältesten queeren Clubs in Deutschland – dem SchwuZ – spielt dabei meistens keine Rolle. Aber zum ganzen Bild gehört auch dieser unweigerlich dazu. Die letzten Monate zehrten an meiner Kraft und auch an der des Teams um mich herum.

Obwohl wir seit dem 13. März nicht mehr öffnen durften, arbeitete ich mehr als je zuvor. Anträge für Überbrückungshilfen, KfW-Kredit, Verhandlungen mit den Vermietern, Kurzarbeiter_innengeld für die sozialversicherungspflichtigen, Pakt für Arbeit für die Minijobler_innen, Investitionsprogramme für Umbau von Hygienemaßnahmen, unendlich viele Interviewanfragen und der kalte Sprung in die Digitalisierung.

Wie es mir geht, fragen manche. Gut, antworte ich dann.

Gut deswegen, weil ich zufrieden bin mit all dem was ich fürs SchwuZ in dieser Zeit gemacht habe. Gut deswegen, weil ich dankbar bin ein Team um mich zu haben, auf das ich mich zu 200 Prozent verlassen kann. Optimistisch, weils immer irgendwie weiter geht.

Manchmal sage ich in Interviews über die Schließzeit im SchwuZ: „Hören Sie mal, wir haben die Aids-Krise überlebt, dann werden wir doch auch mit Corona fertig werden.“

Vergleiche zwischen der HIV/Aids-Krise und der aktuellen Pandemie finden sich zahlreich im Netz. Ich will mich aktuell da gar nicht an einen detaillierten Vergleich wagen. Ich weiß nur für mich selbst: die Auswirkungen dieser Pandemie sind noch weit davon entfernt, wie ich in jungen Jahren die Auswirkungen von HIV/Aids erlebt habe.

Und dennoch verlangt mir diese Krise auf einer emotionalen Ebene enorm viel ab. Im SchwuZ-Umfeld arbeiten über 300 freiberuflich Tätige – von Künstler_innen bis zur Technikerin. Sie alle trifft diese Krise hart, weil das was zum Leben bleibt, einfach viel zu wenig ist. Und weil ihnen und allen im SchwuZ das fehlt, was uns antreibt: die Bühne.

Von über 240 Veranstaltungen im Jahr auf 0. Das ist keine Vollbremsung, sondern ein frontaler Crash an eine Mauer. Unser einziger Airbag heißt: Community.

Unserer Community verdanken wir das Überleben. Sie hat das SchwuZ durch die Krise getragen. Gespendet, um die vielen Monate bis zur ersten Hilfe des Bundes für Kulturbetriebe zu überbrücken und ein wenig des großen Lochs zwischen fixen Kosten und bescheidenen Zuschüssen zu stopfen.

Dafür bin ich enorm dankbar. Und auch für die vielen Begegnungen, das Miteinander, das sich-Mut-zu-sprechen in der Club- und Kulturlandschaft Berlins. Empowerment, dass gerade alle brauchen, die im Kultursektor arbeiten.

Kultur ist systemrelevant. Das SchwuZ ist systemrelevant.

Nie zuvor wurde das so deutlich wie in 2020. Der sichere Raum, den wir queeren Menschen aus der ganzen Welt geben, die Bühne die wir queeren Artists bieten, die Freiheit die Menschen in unseren Räumen erfahren dürfen – das alles fehlt.

Viel unserer Care-Arbeit können wir nur sehr bedingt leisten. Die Plattform die wir sozialen Projekten – wie Aidshilfen oder anderen Institutionen die den 1:1-Kontakt mit Menschen suchen – bieten; sie fehlt.

Und trotz all dem, trotz fehlender Öffnungsperspektive, trotz schwierigster Zeiten: wir behalten unsere Hoffnung. Wir machen weiter. So gut wir können – im digitalen Raum und manchmal sogar wieder ganz wie in alten Zeiten: mit Menschen im SchwuZ.

Am kommenden Samstag erhält das SchwuZ die Auszeichnung zum Tag der Clubkultur.

Wir freuen uns riesig & tanken daraus auch weitere Energie für die gerade schwierigen Zeiten. Erst im letzten Jahr gewann das SchwuZ den Ehrenpreis des LISTEN TO BERLIN Awards der Musik- und Kreativbranche.

Erneut werden wir für unsere Vielfalt im Programm und unser jahrzentelanges Engagement in der Clubkultur Berlins gewürdigt – ein Verdienst von rund 100 Menschen in unserem Team und deren unermüdlichem Einsatz für Diversität, neue Wege und Ideen.

Herzlichen Dank all den Menschen, die das möglich machen. ❤️

Für den 3.10. haben wir ein Programm zusammengestellt, das zum einen gestreamt wird, aber in dem zum ersten Mal auch in unserem Streamingstudio rund 40 Menschen (mit Abstand & Hygienplan) wieder live teilnehmen können.Die Karten kosten 15 Euro pro Person. Es sind Tickets ab zwei Personen (also 30 Euro plus VVK) erhältich – Einzelplätze leider nicht, da wir sonst noch weniger Plätze anbieten könnten.Es gibt zwei Zeitslots aus denen man wählen kann. 18 Uhr oder 21 Uhr.

Die Tickets sind hier erhältlich: https://www.eventbrite.de/e/tag-der-clubkultur-tickets-122232451553?fbclid=IwAR206R3NCz6L8p8LesEz8yubVOdDjCweRajeWr0J-OSiUFHASDM2vltv-Qw

Was für ein schönes Zeichen nach 200 Tagen Stillstand. Und vielleicht bleibt mir sogar ein neuer Beitrag anlässlich des 300. Schließtags erspart.

Ich bleibe optimistisch. Bleibt ihr es auch. Euer Flo

Wie ihr das SchwuZ unterstützen könnt:

Obwohl keine Partys und Clubbetrieb möglich ist, können wir das SchwuZ für bestimmte Arten von Veranstaltungen nutzen. Zum Beispiel können bei uns Konferenzen, Tagungen, Vereinssitzungen, digitale Produktpräsentationen, Livestreams, Hybride Veranstaltungsformate und kleine Messen unter Einhaltung der aktuellen Hygienevorschriften tagsüber stattfinden. Wer also einen Raum für diesen Zweck sucht, oder eine Firma kennt, die dazu passt, dann hilft uns jeder Kontakt dazu. So können wir zumindest versuchen, ein bisschen Umsatz zu generieren um vor allem unsere Mitarbeiter_innen zeitweise aus der Kurzarbeit zu holen und ihnen ein besseres Einkommen zu ermöglichen.

Die verschiedenen Möglichkeiten uns mit Spenden zu unterstützen sind:

PayPal: spende@schwuz.de

GoFundMe:
https://www.gofundme.com/f/saveourschwuz

Überweisung:
SchwuZ Kulturveranstaltungs GmbH
IBAN: DE05 1004 0000 0534 5772 02
Verwendungszweck: Spende SchwuZ

Rebecca: „Ich muss dir was sagen.“

Rebecca unterstützt die Kampagne wissen-verdoppeln.hiv

Kurz bevor Rebecca Jackson Sex mit ihrem Freund haben will, sagt er ihr: „Ich bin HIV-positiv.“ Die Nachricht ist für sie zunächst ein Schock. Doch seit diesem Moment setzt sich Rebecca dafür ein, dass immer mehr Menschen wissen: „Schutz durch Therapie funktioniert.“

2018 schrieb Rebecca unter dem Titel „Fucking with HIV“ einen Gastbeitrag für magazin.hiv. Ein Auszug:

Ich muss dir was sagen. Das sind nicht die Worte, die ich hören will. Eigentlich überhaupt nicht und schon gar nicht jetzt, wo ich nackt und geil bin, und nicht aus dem Mund, den ich gerade geküsst habe. Ich bin HIV-positiv. Und in meinem Kopf dreht sich „Sterben-Kinder-in-Afrika-Tom-Hanks-Haarausfall-Sterben-superabgemagert“.

Das war vor über einem Jahr. Mein Partner, den ich damals einfach weiter küsste, und ich haben seitdem so manche komplizierte Situation durchlebt, sowohl emotional als auch körperlich. Von diesen Erfahrungen möchte ich hier erzählen, denn ich hoffe, dass ich damit die Leute aufklären und etwas gegen das Stigma tun kann, das es rund um HIV immer noch gibt.

„Ich bin HIV-positiv.“

„Äh. Pfff. Okay. Puh. Also, äh, okay, darüber muss ich erst mal nachdenken, bevor wir Sex haben.“

Kein „Danke, dass du mir das erzählst!“, kein „Okay, und wie kommst du damit klar?“, kein „Tut mir leid. Aber ich habe gehört, dass das kein Riesenproblem ist. Nimmst du antiretrovirale Medikamente, sodass deine Viruslast unter der Nachweisgrenze ist und HIV nicht übertragen werden kann?“.

„Äh. Pfff. Okay. Puh. Also, äh, okay, darüber muss ich erst mal nachdenken, bevor wir Sex haben.“

Stattdessen fühlt er sich zurückgewiesen. Ausgegrenzt. Und ich habe Angst und Vorurteile und bin sogar enttäuscht. Enttäuscht, dass ich jetzt keinen Sex mehr mit diesem superheißen Typen haben kann, denn wenn ich Sex mit ihm habe, werde ich krank. Oder nicht?

Wer den gesamten Gastbeitrag von Rebecca lesen will, findet diesen hier: https://magazin.hiv/2018/05/10/fucking-with-hiv/

Rebecca schreibt nicht nur, sondern setzt sich auch sonst dafür ein, dass die Botschaft „Schutz durch Therapie wirkt“ verbreitet wird. Sie unterstützt die aktuelle Kampagne http://www.wissen-verdoppeln.hiv

Zum Kampagnenstart traf ich Rebecca für ein kurzes Interview in Berlin:

Unter http://www.wissen-verdoppeln.hiv findet ihr auch andere spannende Botschafter_innen mit ihren Geschichten. Ferner könnt ihr dort eure eigene Geschichte erzählen. Unterstützt die Kampagne!

https://wissen-verdoppeln.hiv

Show respect: Flo im Friedrichstadt-Palast

Flo mit dem Ensemble des Friedrichstadt-Palast Berlin

Es gibt Tage, die gehören dringend überarbeitet: Karfreitag samt Tanzverbot zum Beispiel. Aber auch am heutigen 1.12. – dem Welt-Aids-Tag – wünsche ich mir einen zeitgemäßeren, lebensfrohen Blick auf das Thema.

Wie sollen Vorurteile und Stigma aus den Köpfen verschwinden, wenn gerade an diesem Tag immer die „alten Bilder von HIV und Aids“ geschürt werden? Ich möchte zwar insbesonders heute an alle denken, die wir an den Folgen von HIV & Aids verloren haben, gleichzeitig jedoch deutlich machen: Diskriminierung und Stigmatisierung ist für Menschen die heute mit dem Virus leben, die größte Herausforderung.

Ich möchte – nicht nur mit diesem Blog – zeigen, dass ein Leben mit HIV heute kein großes Thema mehr ist. Das es höchste Zeit ist, falsche Annahmen über die Infektion und damit einhergehende Diskriminierung von uns HIV-Positiven endlich zu beenden.

Es ist 2019. Trotz bester medizinischer Versorgung hierzulande werden Menschen mit HIV immer noch ausgegrenzt, haben Herausforderungen in der Partnerschaft, im Job oder im Gesundheitswesen.

Daher wollte ich heute unbedingt einen äußerst positiven Film ins Netz stehen. Mit ganz viel Lebensfreude und jeder Menge guter Laune.

Ich danke dem Friedrichstadt-Palast Berlin für die großartige Unterstützung: Respect each other. Zeig Respekt. Für ein Leben mit HIV.

Flo tanzt mit dem Ensemble des Friedrichstadt-Palast Berlin

Mehr Infos zum Friedrichstadt-Palast und den aktuellen Shows findest du auf https://www.palast.berlin/

Ich freue mich, wenn du dieses Video teilst und damit etwas gute Laune am Welt-Aids-Tag verbreitest. Danke für deine Unterstützung.

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SchwuZ erhält Ehrenpreis

Ich freue mich wirklich sehr zusammen mit meinem Mit-Geschäftsführer Marcel Weber gestern für das SchwuZ den Ehrenpeis des Listen To Berlin: Awards 2019 in Empfang genommen zu haben.

Er ist eine besondere Auszeichnung für unser gesamtes Team und allen die sich für und mit dem SchwuZ engagieren – auch im Bereich HIV.

Einfach mal: DANKE.

Im Video seht ihr die Laudation und die Dankensrede von uns:

Mehr Infos zu den anderen Preisträger_innen und zur größten Auszeichnung der Berliner Musik- und Kreativbranche gibts nachfolgend in der offiziellen Pressemitteilung:

Gudrun Gut, Mine, Mona Rübsamen, NOSOYO, Shirley Holmes, Ponte Pilas, die Initiativen Clubtopia und #unteilbar, das Berliner SchwuZ, sowie der Social Media-Hit „Sage Nein“ von Ezé Wendtoin & Just People – Das sind die Preisträger*innen der listen to berlin: Awards 2019. Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie ehrte die Berlin Music Commission (BMC) am Abend des 5. Novembers im Berliner Kesselhaus zum bereits vierten Mal prägende Akteur*innen der Berliner Musik- und Kreativbranche. Herausragendes Engagement für Diversität wurde in insgesamt neun Kategorien ausgezeichnet. Die listen to berlin: Awards markieren den Auftakt der Musikkonferenz MOST WANTED: MUSIC (MW:M), die vom 6. bis 7. November in der Alten Münze Berlin stattfindet.
Die Berliner Musikerin und Labelmacherin Gudrun Gut wurde bei der Preisverleihung der listen to berlin: Awards mit dem Preis für Förderung und Entwicklung der Berliner Musikszene ausgezeichnet. Unangepasst und fernab des Mainstreams prägt Gudrun Gut mit ihrer avantgardistischen Musik die Musikszene über Berlins Grenzen hinaus seit Jahrzehnten. Neben ihrem eigenen Label Monika Enterprise gründete sie den oceanclub, der seit 1997 auf radioeins eine eigene Sendung hat. Zudem ist sie Mitgründerin des internationalen feministischen Netzwerks female:pressure, welches Künstlerinnen aus den Bereichen elektronische Musik und digitale Kunst vereint. „Ich möchte ein Dankeschön aussprechen, an die Trümmerfrauen, die Berlin wiederaufgebaut haben!“, sagte Gudrun Gut zu den 400 geladenen Gästen.
Der Ehrenpreis der listen to berlin: Awards 2019 ging an das SchwuZ, Deutschlands größter queerer Club, als Ort großer Vielfalt und Werteorientierung. Das SchwulenZentrum, das einst in Kreuzberg war und nun seit sechs Jahren in Neukölln beheimatet ist, zählt seit mittlerweile 42 Jahren als Berliner Kulturinstanz. Laudatorin Nina Queer resümierte: „Sowas nenne ich gelebte Humanität!“.
Quelle: LISTEN TO BERLIN
Der in diesem Jahr neu eingeführte Preis für Nachhaltigkeit ging an die Initiative Clubtopia/ Future Party Lab, die von BUND Berlin und dem Verein clubliebe gegründet wurde. Unter dem Motto „Feste feiern und Umwelt schonen“ engagiert sich die Arbeitsgruppe für einen nachhaltigen und klimafreundlichen Wandel der Berliner Clubszene. Olaf Kretschmar, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Berlin Music Commission (BMC), würdigte die Juryentscheidung mit den Worten: „Nachhaltige Veränderungen müssen in unserem alltäglichen Handeln stattfinden, nicht nur im Kopf. Es macht uns stolz zu sehen, wie die Berliner Clubszene hier aus Eigeninitiative heraus mit gutem Beispiel vorangeht.“
Der Rolf Budde Preis für Haltung in der Musikwirtschaft ging in diesem Jahr an die bundesweite #unteilbar Initiative, die sich für eine offene und freie Gesellschaft, gelebte Solidarität und gegen Rassismus, Verarmung und Ausgrenzung einsetzt. In Berlin mobilisierte das Bündnis im August 2018 mehr als 200.000 Menschen – darunter viele Musiker*innen – für eine friedliche Demonstration. „Für mich ganz persönlich ist diese Aktion ganz wichtig in diesem Land. Wann, wenn nicht jetzt?!“, sagte Gerhard Kämpfe in seiner ergreifenden Laudatio über die Initiative und erhielt dafür tosenden Applaus. Der Kulturmanager war ein langjähriger Freund Rolf Buddes.
In der Kategorie Preis für die kreativste Kampagne setzte auch die Jury ein Zeichen gegen Diskriminierung und Rassismus: Ezé Wendtoin wurde zusammen mit dem Filmemacher Christian Suhr von Just People für seine Social-Media-Hymne, die Neuinterpretation des Konstantin Wecker-Songs „Sage Nein“, ausgezeichnet. In seiner Dankesrede sagte der Preisträger: „In einer Zeit wie dieser, müssen wir lernen miteinander zu stehen und nicht gegeneinander zu kämpfen!“. Die Auszeichnung Innovationspreis Musikvideo ging an die Künstlerin Mine für ihr Video zu „90 Grad”. Markus Kavka schenkte der überraschten Preisträgerin eine sehr persönliche Laudatio.
Der diesjährige Preis für Musikjournalismus ging an FluxFM-Mitgründerin und geschäftsführende Gesellschafterin Mona Rübsamen, die das Programm und die strategische Ausrichtung des Sendernetzwerks verantwortet und damit einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung der Berliner Musikszene und der internationalen Strahlkraft von Berlin als Musikstadt leistet. „Das ist ein Preis für die Geschichtenerzähler – und das tun wir bei FluxFM jeden Tag und wir bieten Musiker*innen eine Plattform ihre Geschichten zu erzählen. Bei 3.000 Events und 1 Mio. Musikstreams pro Tag braucht es Kuration und Kontext. Denn, wer tanzt denn schon gerne im Algorithmus?“, so Mona Rübsamen.

Zu den Highlights des Abends gehörten die Liveauftritte von Ariana Zustra mit ihrem Dark Dream Pop-Soloprojekt ZUSTRA, des Berliner Polyphonic-Pop Duos OKO sowie die Performance von Junk-E-cat mit seinem Mix aus Finger Drumming, Live Looping und Saxophon-Einlagen. Alle drei Showacts sowie weitere 15 Künstler*innen sind auf der diesjährigen, bereits 12. Ausgabe der listen to berlin 2019/20 Compilation vertreten. Sie bildet zudem die Grundlage für die beiden Künstler*innen-Preise der listen to berlin: Awards. Mit NOSOYO und Shirley Holmes prämierte die Jury in diesem Jahr zwei Bands für ihre besondere künstlerische Leistung mit dem listen to berlin: Jurypreis. Das Publikum entschied sich in der Kategorie listen to berlin: Publikumspreis für die Berliner Newcomer-Band Ponte Pilas. Auch das Moderator*innen-Duo, bestehend aus der Berliner Sängerin Malonda und dem Fritz-Unsigned- Moderator Christoph Schrag, sorgte für einen kurzweiligen und unterhaltsamen Abend.
Die Schirmherrschaft des Musikpreises hatte der Kultursenator und Bürgermeister der Stadt Berlin Dr. Klaus Lederer inne, der sich mit einer Video-Grußbotschaft an das Publikum richtete: „Der Preis ist ein nichtkommerzieller Preis, der nicht auf Verkaufszahlen basiert. Es geht hier darum, gute künstlerische Leistung zu erbringen, sich einzubringen, zu engagieren. Der Rolf Budde Preis für Haltung oder der Preis für Nachhaltigkeit sind ein deutliches Zeichen, dass sich diejenigen, die diesen Preis ins Leben gerufen haben auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind,“ so Dr. Klaus Lederer.

Die listen to berlin: Awards werden präsentiert von der Berliner Sparkasse und sind eine Veranstaltung der Berlin Music Commission im Auftrag des Landes Berlin. Sie werden unterstützt von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, durchgeführt im Rahmen der Berliner Landesinitiative “Projekt Zukunft” und mit Mitteln aus den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

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Strich/Code/Move – besucht die Sexarbeiter_innen

„Raus aus der Beschämungskultur und rein in ein sexpositives Leben!“ ist das Motto der Sexarbeiter_innen und Aktivist_innen die derzeit auf dem Platz vor dem Berliner Hauptbahnhof mit ihren fünf Lovemobilen stehen.

In den Wohnwägen in denen sonst die Arbeitsstätte der Sexarbeiter_innen sind kann man derzeit mit Bordelbetreiber_innen, Hurenverbänden, Sexarbeiter_innen und Künstler_innen ins Gespräch kommen.

Es geht um die Lebenswirklichkeit von Sexarbeiter_innen und den Einblick in eine Welt die für die meisten Menschen hauptsächlich aus Klischees besteht. Und es geht um das seit 1. Juli 2017 in Kraft getretene Prostituierten-SchutzGesetz, dass anders als man vom Namen her erwarten müsste die Grundrechte der Sexarbeiter_innen einschränkt und diese kriminalisiert.

  1. Was hat sich durch dieses Gesetz geändert?Sexarbeiter_innen müssen sich bei Behörden registrieren lassen.

Konsequenz: Der Datenschutz ist nicht gewährleistet und birgt die Gefahr des Zwangsoutings, die Sexarbeiter_innen in Gefahr bringen kann, weil Sexarbeit immer noch ein Tabu in der der Gesellschaft ist.

2. Sexarbeiter_innen müssen sich zusätzlich regelmäßigen „Gesundheitsberatungen“ unterwerfen.

Konsequenz: Das Recht auf freiwillige und anonyme Beratungen laut dem Infektionsschutzgesetz wird unterlaufen.

3. Sexarbeiter_innen dürfen nicht mehr in der jeweiligen Arbeitsstätte übernachten.

Konsequenz: Eeine zusätzliche Unterkunft muss angemietet werden, was mit einer extremen Kostenerhöhung verbunden ist.

4. Alle bordellartigen Betriebe, auch kleine Wohnungen, in denen nur zwei Sexarbeiter_innen arbeiten, müssen die gleichen baulichen und organisatorischen Auflagen erfüllen.

Konsequenz: Großbordelle können diese umsetzen, dagegen werden Kleinbetriebe in den Ruin getrieben.

5. Die Polizei kann jederzeit ohne Anlass Prositutionsstätten kontrollieren.

Konsequenz: Das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung wirdd für Prositutionsstätten aufgehoben – auch für Privatwohnungen, in denen angeschafft wird.

6. Die Anzahl und Höhe der Bugelde bei Zuwiderhandln gegen die zahlreichen Vorschriften hat sich erhöht.

Konsequenz: Sexarbeiter_innen, die nicht registriert werden wollen, werden gezwungen versteckt zu arbeiten, gehen schlechtere Arbeitsbedingungen ein und müssen bei Verhängen von Bußgeldern mehr arbeiten.

Im Auftrag der Deutschen Aidshilfe habe ich das Projekt besucht und mit den Sexarbeiter_innen und anderen Beteiligten gesprochen. Schaut euch das Video hier auf meinem Blog an und am besten das Projekt live.

Noch bis heute – Samstag den 27. Juni um 21 Uhr – könnt ihr euch auf dem Washingtonplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof die fantastische Schwarmkunstprojekt Stich/Code/Move ansehen:

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Berlin: Drug-Checking startet

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Richtig tolle Neuigkeiten vermeldet heute die dpa und die Pharmazeutische Zeitung: Bereits am kommenden Donnerstag soll nunmehr nach jahrelangem Einsatz von Drogen- und Suchthilfe das Projekt „Drug-Checking“ in Berlin starten.

Drug-Checking bedeutet, dass eine offizielle Stelle etwa Pillen vom Schwarzmarkt chemisch analysiert. Es geht laut Gesundheitsverwaltung darum, möglichst genaue und umfassende Informationen über die Inhaltsstoffe und deren Dosierungen zu erhalten und die Ergebnisse publik zu machen.

Für das Projekt stehen 30.000 in diesem und 120.000 Euro im kommenden Jahr bereit. Den Zuschlag haben laut Angaben Organisationen der Berliner Drogen- und Suchthilfe erhalten. Zunächst sollen diese ein Gutachten zur rechtlichen Machbarkeit des Angebots einholen. Wegen der Rechtslage inDeutschland benötigt Berlin für das Testangebot laut Angaben eine Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel- und Medizinprodukte (BfArM). Selbst im Fall eines Erfolges ist völlig offen, wann und wie in Berlin tatsächlich Drogen getestet werden könnten.

Im Berliner Koalitionsvertrag kündigte Rot-Rot-Grün an, Maßnahmen zur «Verminderung der Begleitrisiken von Drogenkonsum» stärken zu wollen – Drug Checking wurde dabei als ein Baustein genannt. Solche Risiken können neben der Gesundheitsschädigung durch Wirkstoffe wie etwa Cannabis,Kokain und Ecstasy auch Verunreinigungen, das Strecken der Stoffe oder eine zu hohe Konzentration sein.

Befürworter versprechen sich vom Drug Checking neben öffentlichen Warnungen zum Beispiel vor gefährlichen Pillen auch einen besseren Zugang zu Konsumenten, um sie über Risiken aufklären zu können. Manche hoffen zudem, dass die Hersteller wegen der Kontrollen stärker auf sichere Produkte achten.

Experten analysieren beim Drug Checking kleine Proben des jeweiligen Rauschgifts per HPLC. Dabei geht es um den Anteil des Hauptwirkstoffs und die beigemischten weiteren Inhaltsstoffe. Dazu werden meist eine Tablette oder Teile davon oder 30 bis 50 Milligramm eines Pulvers benötigt, was in etwa einer Messerspitze entspricht.

In manchen Ländern gibt es seit Jahren solche Angebote. In der Schweiz bietet beispielsweise das Drogeninformationszentrum (DIZ) der Stadt Zürich zweimal in der Woche Termine an, an denen Drogen zur Analyse abgegeben werden können. Das Ergebnis kann man später erfragen. Warnungen werden auch im Internet veröffentlicht. Mehrmals pro Jahr gibt es zudem ein sogenanntes mobiles Drug Checking an verschiedenen Stellen in der Stadt. Diese Analyse dauert etwa eine halbe Stunde.

In einer der zahlreichen online veröffentlichten Warnungen heißt es etwa: «Diese XTC-Tabletten enthalten 227.6 mg bzw. 207.7 mg MDMA. Bei solch hohen Dosen können unter anderem folgende Nebenwirkungen auftreten: «Kiefer mahlen», Augen- und Nervenzucken, Kopfschmerzen, Übelkeit, Krampfanfälle, Halluzinationen.» Oder: «Der durchschnittliche Wirkstoffgehalt der im DIZ getesteten Kokainproben betrug im dritten Quartal 2018 76,2 Prozent Kokain*HCl (Hydrochlorid). Der Wirkstoffgehalt der analysierten Proben variierte stark und lag zwischen 2,3 und 98 ProzentKokain*HCl.»

Quelle: dpa / Pharmazeutische Zeitung

Auf Wiedersehen, Amsterdam.

❤️lichen Dank euch allen für die großartige Unterstützung zur Welt-AIDS-Konferenz.

Auch in den nächsten Tagen blogge ich hier noch Videointerviews mit spannenden Menschen, engagierten Aktivist_innen und Freund_innen im gemeinsamen Kampf für die Rechte von Menschen mit HIV & AIDS.

Es bleibt spannend. Es bleibt viel zu tun. Es bleibt eine Herausforderung.

Bye, bye aus Amsterdam – euer Flo. 💋

SchwuZ: we love to entertain you.

Du kennst alle Pro 7-Reportagen über Schwertransporte, die gefährlichsten Jobs der Welt oder die schönsten Baumhaus-Hotels? Dann hätte ich heute etwas wirklich neues für dich. 😉

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Der TV-Sender war kürzlich zu Gast an meinem Arbeitsplatz – dem Berliner queeren Club SchwuZ. Entstanden ist eine nette Kurzreportage über die wichtige Präventionsarbeit die wir als Club zusammen mit unserem Team und wichtigen Partner_innen wie der Deutschen AIDS-Hilfe leisten.

In Deutschland leben aktuell rund 90.000 Menschen mit HIV. Davon wissen rund 13.000 nicht, dass sie infiziert sind.

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„Die Leute sind immer noch überrascht davon, dass man HIV nicht weitergeben kann wenn man gut therapiert ist. Das ist wirklich erstaunlich, denn dieser Effekt ist seit mindestens zehn Jahren gut belegt, wissenschaftlich sehr gut abgesichtet. Aber die allerwenigsten Menschen kennen diese super gute Nachricht. HIV ist nicht mehr übertragbar – wie geil ist das denn, könnte man sagen“ erzählt Holger Wicht, Pressespreche des Deutschen AIDS-Hilfe e.V.

Hier könnt ihr euch die Reportage ansehen:

Es freut mich, wenn ihr meinem Blog folgt mit mir diskutiert und durch euer Teilen in die sozialen Medien mithelt, diese Botschaft in die Welt zu tragen. Danke dafür.

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Mehr Informationen zum Berliner Club SchwuZ findest du hier: www.SchwuZ.de

Let´s talk about Chems, Baby!

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„Du hast ganz schön zugenommen.“ Die Worte mit denen mich ein Kongressteilnehmer begrüßt sind hart, aber herzlich. Rede ich mir zumindest ein und versuche dabei Bodyshaming auszublenden. Denn wo er recht hat, hat er recht. Mit dem Abschied vom Chemsex kamen nunmal die Kilos: gesunde Kilos.

Chemsex – darum dreht sich auf dem 2. ChemSex Forum, welches derzeit in Berlin stattfindet, alles. Mehrere hundert Teilnehmer_innen aus der ganzen Welt diskutieren über Best Practice Möglichkeiten, Hilfsangebote und die Ohnmacht der Szene.

Immer wieder fällt der Vergleich zur AIDS-Krise in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts, einige beschreiben gar die Stimmung die über diesem wichtigen und kreativen Kongress liegt als die gleiche Solidaritätsstimmung, mit der sich damals aus der Selbsthilfe heraus die heutige AIDS-Hilfe gründete.

 

Wir stecken noch in Kinderschuhen, was die Hilfs- und Präventionsprogramme rund um das Thema angeht – zumindest wenn wir den Blick auf England richten – in denen David Sutart mit seinem Projekt in der Dean Street 56 für weltweites Aufsehen sorgt.

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David gelang es schon vor Jahren zu erkennen, dass der Schlüssel zur erfolgreichen Arbeit ist, vollkommen ohne Stigmatisierung über Chems und Sex zu sprechen. Das ist bei diesem Thema – insbesondere hierzulande – eine enorme Herausforderung. Viel zu stark werden immer noch User mit Vorurteilen oder Klischees überschüttet, statt verstanden: ChemSex-User sind Menschen wie du und ich.

Viel zu schnell wird gefragt nach dem WARUM, statt zu begreifen, dass der derzeitige ChemSex-Anteil in der Szene vorhersehbar war. Ein Blick in die USA oder nach England hätten vor fünf Jahren genügt, um zu begreifen, was da auf uns zurollt.

Ich habe selbst oft genug erleben müssen wie im Präventionskontext dieses Thema als banale Randerscheinung abgetan wurde, Zahlen in Berlin mit dem Gay-Tourismus rechtfertigt wurden oder in den sozialen Medien mit „keine Drogenopfer“ eine Randgruppe von einer Randgruppe selektiert wurde.

Wer sich wirklich für das WARUM interessiert, muss nur verstehen wie die schwule Szene heute datet: Gayromeo, Grindr oder Scruff haben längst die persönliche Ansprache in einer Bar, einem Club oder den anonymen Sex auf Klappen oder in Saunas abgelöst.

Bequem und mit wenigen Klicks lassen sich so tausende potentieller Sexpartner ausgrenzen: kein Bauch, XXL-Schwanz, maximal 25 Jahre. Längst bleibt in diesem System des schwulen Online-Rasters ein Großteil der Szene auf der Strecke.

Was früher durch Charme, ein Lächeln oder die Einladung auf einen Drink am Tresen wettgemacht werden konnte, findet heute nicht einmal mehr die Chance auf Einblendung in den Suchergebnissen.

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Unter diesen Vorzeichen war die Epedemie des ChemSex in unserer Szene nur eine Frage der Zeit. Denn Substanzen die eine neue Art der Zugehörigkeit vermitteln, über psychoaktive Veränderung Trieb fördern und dabei äußerliche Merkmale außen vor lassen, die müssen erfolgreich sein. Und dabei lasse ich in der Aufzählung noch jegliche tiefgründigere Erfolgserplebnisse weg: Den vermeintlichen Erfolg über psychische Leiden, das Ausblenden der eigenen Lebenssituation, die Veränderung unserer Community.

„Wir sollten in unserer Community aufeinander achten“ war das Credo dieses Kongresses. Als schwule Männer ist uns dieses Miteinander schon einmal gelungen als HIV und AIDS die dominierende Macht über uns erlangt hatte. Es ist Zeit zu erkennen, dass unsere Szene heute erneut vor einer solchen Macht steht: ChemSex wird die Community verändern.

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Ich selbst habe kurz vor Weihnachten einen guten Freund verloren, nicht an die Folgen von HIV und AIDS sondern an die Folgen von Crystal Meth, Mephedron, GHB/GBL und deren Ausbreitung in unserer Szene.

Und ja, es gibt sie, die „Happy Users“ – diejenigen in unserer Szene, denen der kontrollierte Konsum mit den starken Drogen gelingt: Der zweite europäische ChemSex-Kongress war nichts für sie. Dieser Kongress widmete sich der großen Mehrheit, die oftmals verzweifelt, hoffnungslos und noch ohne Plan – teils in vielen Anläufen – versuchen, diese Substanzen hinter sich zu lassen.

Neben professionellen Angeboten von Suchtkliniken, Therapeuten oder so großartigen Institutionen wie der Berliner Schwulenberatung kann der erste Schritt zur Hilfe das persönliche Gespräch mit einem User sein. Nicht schweigen, nicht veruteilen, nur zuhören und Fragen stellen, empfahl David Stuart und stellte seinen Care Plan vor: ein Instrument für jeden der seine Hilfe einem Freund angedeihen lassen möchte. Mehr als den Mut auf das Gespräch bedarf es dazu nicht.

David Stuarts Care Plan findest du hier: CARE PLAN. Probier ihn aus! (auch in deutsch)

Für alle Berliner – hier finden sich Infos zu den Angeboten der Schwulenberatung Berlin:

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In kleinen Schritten und mit kleinen – aber umso wichtigeren – Erfolgserlebnissen kann der Ausstieg aus dem ChemSex gelingen. Dabei steht nicht immer die absolute Abstinenz im Vordergrund, sondern vielmehr das Ziel das sich User selber geben: eine kurze Pause von den Chems, Harm Reduction oder der langfristige Ausstieg.

Es bedarf Geduld und mitunter ganz viel Zeit. Es bedarf aber allen voran den erneuten Anlauf unserer Community die ChemSex-User als Teil unserer Szene zu begreifen. So wie in den 80er-Jahren auch plötzlich alle mit HIV Infizierten Teil der Community waren.

Der erste Schritt – den jeder von uns leisten kann – ist die Akzeptanz, die die Grundlage erfolgreicher Therapiemodelle erfordert.

Und ja noch was : „Sleazy pigs can be emotional, too.“

Ich freue mich sehr über deine Kommentare, den Austausch und wenn du meinem Blog folgst oder diesen Beitrag teilst – vielen Dank für deine Unterstützung.

Lust auf ChemSex-Theater. Am 24. un 25.03. im Wilden Oskar:

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#merktseuch

Nur zehn Prozent der Menschen in Deutschland wissen das eine wirksame HIV-Therapie vor einer Übertragung des Virus schützt – ganz ohne Kondom. Das bedeutet umgekehrt von 10 Menschen weiß das bislang nur eine Person.

Und das zehn Jahre nachdem das Swiss-Statement diese Botschaft in die breite Öffentlichkeit getragen hat. Grund genug also für Präventionist_innen, HIV-Aktivist_innen und Freund_innen heute in der Flying Condoms Aktion in vier Städten nochmals ganz laut darauf aufmerksam zu machen. Flo war in Berlin mit dabei.

Eine HIV-Therapie schützt vor Ansteckung: #merksteuch

Ich freue mich über jede Person die dieses Video teilt – gern mit dem #merktseuch.

Ostertreffen in Berlin: Fetisch ist ne Glaubensfrage

Screenshot 2017-04-13 19.37.00.png„Machst du was in deinem Blog zum Thema Glauben jetzt an Ostern?“ bin ich heute im Büro noch gefragt worden. Ja, mache ich. Irgendwie muss sich ja der erzkatholische Religionsunterricht in Bayern dann bezahlt machen.

Pilgerfahrten sind so n Glaubensding – die sind voll im Trend, Jahr für Jahr. So auch an diesem Osterfest. Und wie immer geht es nach Berlin – zumindest wenn man(n) der Fetisch-Community angehört, die sich in diesen Tagen wieder in Schöneberg zum jährlichen Get-together einfindet.

Klaus Kirschner – sowas wie die „Heilige Mutter der LFC-Community“ – ist ja der Meinung „Fetisch ist ne Glaubensfrage“. Und ich finde: Er hat recht. Wir – und ich zähle mich da bewusst mit dazu – glauben an etwas: Ob das nun die sexuelle Erfüllung durch Spanking, das Sniffen an Sneakers oder das Wedeln mit dem Schwanz als Doggy ist.

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Wir glauben, das ist erfüllend – für die eigene Sexualität und das harmonische Miteinander innerhalb der Szene.

Anders als andere fundamentalistische Glaubensfragen in diesen Tagen sind die Jungs die sich zum alljährlichen Oster-Fetischtreffen in Berlin versammelt allesamt Engel.

Wenn auch mitunter in dunkles Leder gehüllt, gilt die einfache Devise: Je härter das Outfit umso weicher der Inhalt. Und so freue ich mich auf großartige Bilder in Schöneberg in denen mit Ketten und Peitschen beladene Lederkerle mit sanftem Lächeln ihre Schwarzwälderkirschtorte genießen und dabei auch ihren zweibeinigen Doggy unter dem Tisch mit reichlich Sahne verwöhnen.

Genug Bilder im Kopf oder schwer vorstellbar? So ist das mit Glaubensangelegenheiten. Aber ich schwöre euch, wenn ihr bis Montag nach Berlin-Schöneberg kommt dann seht ihr wie wahre Wunder aussehen: Wenn tausende harter Kerle gemeinsam auf Eiersuche gehen und friedlich miteinander knutschen. Frohe Ostern.

Und hier ist die „Heilige Mutter der LFC-Community“ im Interview mit mir:

 

Du glaubst an gute Taten? Dann sei so nett und klick unten rechts auf FOLGEN – ich freue mich über neue Blogfollower – nicht nur an Ostern. Danke, dein Flo.

Mein Weihnachten war gestern

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Ja, ich weiß – Blogs sollen und müssen um besonders erfolgreich zu sein thematisch sein, strukturiert, sich einem festen Thema verpflichtend. Mein Blog versucht dies mit der großen und spannenden Welt von HIV/Aids – großen Neuerungen in der Forschung und kleinen Geschichten über HIV-positive Menschen wie du und ich.

Heute jedoch bitte ich um Akzeptanz für eine Ausnahme: Eine Ausnahme die ich den beiden Schutzengeln widme – von denen mir an dieser Stelle vollkommen gleich ist, ob sie männlich, weiblich oder keines von beidem sind, ob sie eine schwule Identität haben oder als Trans-Engel glücklich sind, ob sie schwarze, rote oder weiße Haut haben und ob sie große oder kleine Flügel tragen.

Fakt ist: Mein Freund Tom und ich hatten gestern Abend zwei krass-coole Schutzengel*innen.

Wir wohnen in Berlin am Wittenbergplatz – nahe dem KaDeWe – und rund 400 Meter entfernt von dem Ort, an dem gestern ein Mensch versucht hat, die Leben vieler anderer auszulöschen und die Wertevorstellung einer ganzen Gesellschaft damit ins Wanken zu bekommen.

Nahezu jeden Abend sind Tom und ich in der Vorweihnachtsfeier auf genau jenem Markt vor unserer Haustür am Breitscheidplatz, den jetzt nahezu die ganze Welt kennt. Wir sind begeisterte Cineasten und gehen fast täglich ins Kino. In der Adventszeit fast nie ohne die in unseren Augen beste Feuerzangenbowle von ganz Berlin – auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz.

Genau das hatten wir auch gestern vor.

Gegen 19.30 Uhr schrieb ich Weihnachtskarten und Tom verkabelte unsere Stereoanlage neu. Und wenn Tom etwas macht, dann gründlich. Das kostet mich Hektiker zwar manchmal den letzten Nerv, rettete uns beiden aber gestern Abend das Leben.

Tom liebt Musik. Die Ausrichtung von Boxen ist eine Wissenschaft die ich nicht begreifen werde und die Tom perfekt beherrscht – genau diese Detailliebe dieses wunderbaren Menschen, diese rechte vordere Box mit deren Klang Tom gestern nach dem Umbau noch nicht zufrieden war, verzögerte unser Fortkommen.

Dies also ist ein Appell für die Geduld, die Liebe zum Detail, die Genauigkeit in einer Welt die sich scheinbar immer schneller dreht.

Es ist ein Appell an die leisen Töne – die  jedes Weihnachtsfest ummanteln sollten.

Manchmal ist die Genauigkeit, die Sorgfalt und die Liebe zum Detail der wirklich entscheidende Wert, an dem unsere Gesellschaft mehr festhalten sollte.

Unsere beider Schutzengel konnten gestern Schritt halten mit unserem Tempo – dank Tom. Unser Weihnachten war gestern und es war das Weihnachten mit dem größten Geschenk, dass wir beide jemals bekommen haben nach unserer gegenseitigen Liebe.

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Viele andere Menschen hatten dieses Glück gestern um 20.04 Uhr leider nicht. Im Getränkemarkt erzählte mir heute der Verkäufer, dass sein Freund es nicht geschafft habe. Und unsere Nachbarin konnte – wie wahrscheinlich viele – kaum schlafen letzte Nacht und zittert:

Sie ist vor dem Lastwagen davon gelaufen, der sie beim Besuch des Weihnachtsmarkts mit Arbeitskolleg*innen in überraschte.

 

Heute waren Tom und ich erneut am Breitscheidplatz, nichts steht mehr von der Bude mit der besten Feuerzangenbowle, eine gespenstische Stille liegt auf dem Platz unterhalb der Gedächtniskirche, die allein ja schon Mahnmal genug für Terror und Krieg darstellt.

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„Meinen Hass bekommen sie nicht“ sagte Tom heute beim Frühstück zu mir – ein Satz der nach dem beispiellosen Umgang eines Hinterbliebenen in Frankreich um die Welt ging. Und er hat recht: Wenn wir nun beginnen wieder pauschal über Menschen zu sprechen, die unseren Schutz bedürfen, wenn wir Herkunft und Religion mit Vorurteilen und Stigmatisierung begegnen, wenn Menschen die sich für Menschen einsetzen anfangen an ihrem Handlen zu zweifeln – dann ist der schreckliche Anschlag in Berlin ein voller Erfolg.

Diesen werden wir dem oder den Täter*innen nicht gönnen – nicht heute und nicht morgen. Nicht wenn nochmal etwas passiert oder noch zehn Mal. Wenn Hass diese Welt regiert, dann wird dies nicht unserer sein.

Und so bleibt an diesem vollkommen themaverfehlten – weil ohne HIV/Aids auskommenden – Blogartikel nur ein leiser, bescheidener Rat: Begnet dieser wunderbaren Welt mit Liebe, Akzeptanz und Mitgefühl – nicht nur an Weihnachten.

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