Stigma – zurück an Absender: Lillian über Vorurteile & Diskriminierung

lilianHIV-positive Menschen werden allzu oft stigmatisiert und diskriminiert. Lillian Petry kämpft gegen derartige Vorurteile – insbesondere, weil Menschen aus anderen Kulturkreisen und mit einer anderen Hautfarbe weiterer Stigmata ausgesetzt sind.

Sie wünscht sich, dass Menschen sich besser informieren statt andere zu stigmatisieren und diskriminieren.

Im Rahmen der Positiven Begegnungen in Hamburg sprach sie mit flosithiv.com

 

 

Deswegen möchte ich an dieser Stelle auch auf die

IMG_2969Kontaktstelle zu HIV-bedingter Diskriminierung
Kerstin Mörsch
Deutsche AIDS-Hilfe e.V.
Wilhelmstr. 138
10963 Berlin
Telefon: 030 690087-67 (Bürozeiten: Mo, Di und Fr, 9–15 Uhr)
E-Mail: gegendiskriminierung@dah.aidshilfe.de.

aufmerksam machen.

 

 

HIV & Fußball: Zeit, dass sich was dreht

Das ich mal über Fußball schreibe – der Sportart der ich durch konsequentes Turnbeutelvergessen – schon in Schulzeiten so gekonnt aus dem Weg gegangen bin – hat hier einen guten Grund: Und der heißt FC St. Pauli.

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Gestern Abend starteten in Hamburg die Positiven Begegnungen 2016 (PoBe)- bis Sonntag diskutiert, plant und organisiert hier die HIV-Community was in Sachen HIV gerade so läuft, was sich verändern muss und wo mal so richtig auf den Tisch gehauen werden muss.

Der Profifussball wäre da so ein Beispiel. Zwar hängen in den meisten Stadien inzwischen große Banner die für Gleichberechtigung und gegen Stigmatisierung werben – die Realität in den meisten Vereinen sieht hier jedoch leider noch anders aus. Grund genug also das Motto der PoBe – Sei ein Teil der Lösung – ernst zu nehmen um hier an Veränderungen zu arbeiten.

Dies lies sich der FC St. Pauli nicht zweimal sagen: „Unser Verein ist bekannt für sein Engagement gegen Sexismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Homopobie, gegen Ausgrenzung in jeder Form“ sagte gestern Abend im Rahmen der Eröffnung Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli. Für die Positiven Begegnungen in Hamburg hat er die Schirmherrschaft übernommen.

Der Verein ist – um mal in der Fußballsprache zu bleiben – Tabellenführer im Profifußball in Sachen Engagment für Emanzipation in einer Welt, in der das nicht selbstverständlich ist. Ausgrenzung von Minderheiten ist im Fußball noch immer furchtbar präsent.

Ausgrenzung eine Absage zu erteilen und Selbstverständlichkeit zu demonstrieren sind die Kernbotschaften der Eröffnungsrede des Schirmherrn:

Oke„Wir möchten deutlich machen: Eine HIV-Infektion muss und sollte keine Rolle spielen im Alltag. Nicht im Stadion und nicht beim Zahnarzt. Nicht auf dem Spielfeld und nicht am Arbeitsplatz. Nicht am Stammtisch und nicht in der Familie.“

Es sind starke Worte die auf begeisterte Zuhörer treffen im Audimax der Bucerius Law School – der Arena der Eröffnung – wie Holger Wicht, Moderator der Eröffnungsveranstaltung und Pressesprecher der Deutschen AIDS-Hilfe – sie in Erinnerung an die gerade zu Ende gegangen Olympischen Spiele getauft hat.

Es ist ein wichtiges Zeichen für einen selbstverständlicheren Umgang im Fußball der gestern hier gesetzt wurde – eine Punktlandung schon zum Auftakt der PoBe: “ Wo Menschen Angst haben, müssen wir aufklären. Zu viele Leute wissen noch nicht, dass HIV durch eine Blutgrätsche nicht übertragen werden kann“ – der Saal – gefüllt mit rund 400 Teilnehmern aplaudiert.

OkeUnd Göttlich fährt fort: „Diesen Menschen müssen wir erklären, dass man HIV ohne Problem Fußball spielen kann, so wie man alles tun kann: Alt werden, arbeiten Sex haben, Sport treiben. Das müssen wir immer wieder deutlich sagen und vor allem zeigen.“

Und er hat Recht. Es ist Zeit das sich was dreht hat Herbert Grönemeyer zur letzten WM bereits gesungen: Wo wir Zurückweisung begegnen, müssen wir erst die gelbe und dann auch mal die rote Karte ziehen. Augsrenzung ist nicht akzeptabel!

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Zeit, dass sich was dreht – sang ja schon Herbert Grönemeyer zur Fußball WM 2012 – und hey, wenn Herbert das singt muss das stimmen. Der hatte doch schon mit seinem Song „Männer“ recht…;-)

Bin dann mal ne Rund Fußballspielen und ihr könnt hier nochmal ganz entspannt den Herbert lauschen:

Foto: DAH/Johannes Berger

Mit HIV zum Zahnarzt: Kein Märchen für die Zahnfee…

Nein er hat nicht gebohrt. Auch dieses Mal wieder nicht. Ich habe eine sehr gütige Zahnfee: Denn mit meinen knapp vierzig Jahren – die sich mehr nach knapp über zwanzig anfühlen (Widerspruch/Kommentare zu diesem Thema werden gelöscht 😉 – verschont sie mich noch immer vor diesen schrecklicken Instrumenten und Bohrern die in Griffweite meines Zahnarztes auf einem schnell herklappbaren Tischchen angsteinflößend auf ihren Einsatz warten.

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Ob es am guten Zähneputzen liegt oder schlicht an einer erblichen Veranlagung kann ich nicht sagen – aber bisher konnte in meinem Leben noch kein Zahnarzt mit mir wirklich Geld verdienen. Mein Vater redete als Kind mir immer ein, er könne mittels einer Videokamera im Bad mich beim Zähneputzen beobachten. Sollte mich natürlich nur zum tatsächlichen putzen animieren. Und war natürlich nur ein Spaß. Dennoch frage ich mich manchmal was heute wohl passieren würde, wenn ein Kind im Kindergarten erzählt „Mein Papa hat im Bad eine Videokamera mit der er mich beim Zähneputzen beobachtet.“ Ich glaube das kommt nicht mehr gut an. Da kommt heute statt der Zahnfee die SOKO Kinderschutz und stürmt das Haus.

Wäre damals sicher auch lustig gewesen, habe ich aber versäumt. Nichts desto trotz hat diese schwarze Pädagogik wohl dazu geführt, dass ich immer ordentlich die Zähne geputzt habe. Schöne Zähne, keine Probleme beim Zahnarzt. So war das immer.

Bis ich meine HIV-Diagnose bekam und meinen Zahnarzt – damals noch in Augsburg – mit gleicher Offenheit über diese Infektion begegnet bin, wie der ganzen Welt heute mit diesem Blog.

HIV & Zahnärzte – das ist seit jeher eine eher bissige Verbindung. Mangels Wissen berichten mir auch in der Präventionsarbeit immer noch viele Positive von Schwierigkeiten beim Zahnarztbesuch. Da gibt es Fragebögen in denen vorab nach der Infektion gefragt wird, da gibt es plötzlich keine freien Termine mehr oder man wird mit dem Hinweis auf besondere Desinfektion auf das Ende der Sprechzeit terminiert. Sicherheitshalber erst kommen, wenn der letzte HIV-freie Patient schon weg ist.

Hier sind die Top 5 der Probleme beim Zahnarzt für HIV-Positive:

  • Sie erhalten beim Arzt oder Zahnarzt keinen Termin. Einem Fünftel der Befragten beim „HIV-Stigma-Index“ war in den zwölf Monaten vor der Befragung eine medizinische Behandlung verweigert worden.
  • Oft erhalten HIV-Positive nur den letzten Termin am Tag. Begründung: Nach ihrem Besuch seien besondere Desinfektionsmaßnahmen erforderlich.
  • Die HIV-Infektion wird nicht immer vertraulich behandelt, z.B. gegenüber anderen Patienten.
  • Krankenakten werden manchmal mit von außen sichtbaren Vermerken gekennzeichnet.
  • Bestimmte Maßnahmen (z.B. Operationen oder Entbindungen HIV-positiver Frauen) werden nicht durchgeführt, weil das Personal nicht ausreichend über HIV informiert ist.

Auch in meiner früheren Heimat Augsburg hatte ich mit derartigen Problemen zu kämpfen. Das sind Tatsachen die wir so nicht hinnehmen dürfen – hier geht’s um Stigmatisierung.

Deswegen möchte ich an dieser Stelle jeden auf die

Kontaktstelle zu HIV-bedingter Diskriminierung
Kerstin Mörsch
Deutsche AIDS-Hilfe e.V.
Wilhelmstr. 138
10963 Berlin
Telefon: 030 690087-67 (Bürozeiten: Mo, Di und Fr, 9–15 Uhr)
E-Mail: gegendiskriminierung@dah.aidshilfe.de.

aufmerksam machen. Kerstin Mörsch dokumentiert derartige Fälle, vermittelt, klärt auf und hilft und macht somit diese Welt ein kleines Stückchen besser – jeden Tag.

„Für eine stigmatisierende Sonderbehandlung gibt es keinen vernünftigen Grund. Wenn die normalen Hygienevorschriften eingehalten werden, ist eine HIV-Übertragung im medizinischen Alltag ausgeschlossen. HIV-positive Patienten können behandelt werden wie alle anderen. Medizinisches Personal sollte das wissen und mit gutem Beispiel vorangehen“, meint auch Dr. med. Georg Behrens, Präsident der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG).

Auch die Bundeszahnärztekammer hat die Schwierigkeiten längst erkannt und hilft mit ihre Zahnärzte aufzuklären. Doch obwohl das Problem nicht neu ist, scheint die Diskriminierung nur sehr langsam aus den Behandlungszimmern von einigen Zahnarztpraxen zu verschwinden.

Umso wichtiger ist es auch mal zu sagen wo es so richtig gut läuft – zum Beispiel bei meinem Zahnarzt Dr. Jens Ude in Berlin. Das kleine Team ist hochprofessionell – HIV ist dort kein Thema, der Patient steht im Mittelpunkt – egal mit welchem HIV-Status.

Wer in Berlin noch einen Zahnarzt braucht – meine Empfehlung:

www.zahnarztpraxis-ude.de

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In der Hoffnung das HIV & Zahnärzte hoffentlich in der Zukunft kein Thema mehr ist über das man schreiben muss, widme ich mich jetzt mal kurz dem Packen für die Positiven Begegnungen 2016 in Hamburg – morgen geht’s da los.

Und sicherheitshalber putze ich gleich nochmal die Zähne, wer weiß ob Papa nicht vielleicht doch zuschaut. Derartige Erziehungsmethoden machen zwar schöne, weiße Zähne aber eben auch eine Paranoia 😉

Irgendwie wäre mir da die Zahnfee lieber gewesen…

Die PrEP kommt…

Ich glaub es geht schon wieder los: In zwei Tagen starten die Positive Begegnungen 2016 in Hamburg. Ich freue mich von dort für euch über viele spannende Themen und Neuigkeiten zu HIV/Aids in meinem Blog flosithiv.com zu berichten.

Folgt gerne diesem Blog, liked, kommentiert und diskutiert mit mir und meinen Gesprächspartnern – wir freuen uns drauf. Die Positiven Begegnungen finden alle zwei Jahre statt und bieten der Community eine Plattform zur Weiterbildung und zum Austausch bis zum kommenden Sonntag in der schönen Hansestadt.

Und im Vorfeld der PoBe stehen die Zeichen bei der EU schon mal ganz gut: Die EU-Komission erteilte gestern die Zulassung zur HIV-PrEP. Sie verhindert die Übertragung von HIV prophylaktisch. Neben dem Kondom bietet die PrEP eine weitere Schutzmöglichkeit vor dem HI-Virus. Vorallem schwule Männer mit hohem HIV-Risiko bietet die PrEP zukünftig eine gute, weitere Schutzmöglichkeit.

Mehr Infos zur PrEP findet ihr bereits bei mir im Blog unter:

https://flosithiv.com/20…/…/24/darf-ich-doktor-zu-dir-sagen/

Neben dem Medizinreferenten Armin Schafberger (den ich so gern den Ehrendoktor verleihen würde) sprach ich bei meiner Teilnahme der Welt-Aids-Konferenz in Durban/Südafrika auch mit Dr. (diesmal wirklich ein Doktor-Titel ;-)) Will Nutland von Prepster.info – einer Seite die Menschen beim Erwerb der PrEP behilflich ist. Seht selbst:

34 Millionen Gründe für unsere Arbeit

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Die 21. Welt-Aids-Konferenz ist geschafft: In diesen Minuten warten Armin und ich in Johannesburg um von dort aus wohl mit rund sechs Stunden Verspätung Richtung München zu fliegen. Unser Anschlussflug von München nach Berlin ist damit leider garantiert weg – aber hey, ich habe es schon einmal vor vier Jahren von Bayern nach Berlin geschafft – das wird uns auch morgen gelingen 😉

Acht Tage Konferenz liegen hinter uns und mit ihr die Erkenntnis: Diese 21. Welt-Aids-Konferenz fand am richtigen Ort statt. In Durban, einer Stadt die auf einem ihrer größten innerstädtischen Plätze eine große rote Aids-Schleife als Denkmal errichtet hat: ein starkes Zeichen – ein „Denk-mal“, eine Mahnung: Hier in Afrika endet HIV immer noch in den meisten Fällen tödlich.

Zugang zu HIV-Medikamenten für jeden Menschen: Was in Deutschland für die allermeisten eine Selbstverständlichkeit ist, ist knapp 9000 km weiter noch ein rares Gut, dass wahrhaftig über Leben oder Tod entscheidet. Und leider gewinnt hier der Tod in den meisten Fällen.

Nicht, weil Medikamente nicht verfügbar wären. Nicht weil sie mit deutschen Therapiepreisen von rund 1500 – 2000 Euro im Monat fernab jeder Diskussionsmöglichkeit wären.

Nein, sondern weil…

– der Preis für die Medikation von rund einem Euro am Tag hier zu viel ist für die Menschen die im Durchschnitt 80 Cent pro Stunde verdienen.

– hier immer noch die Hautfarbe über Einkommen, medizinischen Zugang und somit über den Zugang der Therapie entscheiden.

– fehlendes Wissen zu Therapiemöglichkeiten und dem Schutz vor einer Infektion immer noch die größten Herausforderung sind, die dieser Kontinent mit unserer Hilfe zu bewältigen hat.

Als vor 16 Jahren schon einmal die Welt zu Gast in Durban war, stand unser Kampf gegen diese Infektion noch am Anfang. An einem schrecklichen Anfang. Damals starb hier jede Minute ein Mensch an den Folgen von AIDS. Jede Minute ein Leben.

Und heute? Heute leben in Südafrika rund 3,4 Millionen Menschen mit HIV. Das sind soviel Menschen wie Berlin Einwohner hat! Und nicht genug: Weltweit haben sich zwischenzeitlich rund 34 Millionen infiziert – in Zahlen: 34.000.000. Mehr als der Hälfte dieser Menschen fehlt der Zugang zur Therapie. Und weil wir das vor lauter Statistiken und Zahlen oft vergessen:

Es geht um Menschen – es geht um 34.000.000 Menschen!!!

Für jeden einzelnen lohnt sich unsere Anstrengung: Zusammen mit 18.000 Aktivisten, Wissenschaftlern, Ärzte, Pharma- und Regierungsvertretern haben wir in den vergangenen acht Tagen daran gearbeitet die Welt ein kleines Stückchen lebenswerter zu machen.

Hier in Durban haben wir gemeinsam dafür gekämpft, gefordert und angeklagt dass…

– Regierungen nicht die Mittel für die HIV-Arbeit kürzen

– Menschen mit HIV mehr Rechte und weniger Stigmatisierung erfahren

– Mediziner sich vernetzen, austauschen und gemeinsam arbeiten können

-HIV-Aktivisten netzwerken konnten und in ihrer Arbeit bestärkt wurden

– besonders von HIV betroffene Gruppen – wie Sexarbeiter*innen oder Drogengebraucher*innen bessere Gesetze und Sicherheit für ihr Leben bekommen

– die Pharmaindustrie nicht auf Kosten von Menschenleben ihre Profitgier stillt

Es war eine anstrengende Woche, es waren lange Tage und es waren berührende Gespräche.
Aber es war auch ein Wir-Gefühl, eine unglaubliche Inspiration und Motivation.

Es war die beste Woche in meiner Arbeit als HIV-Aktivist und die Bestätigung: Dieser Einsatz – den viele großartige Menschen haupt- und ehrenamtlich leisten ist unverzichtbar für diese Welt.

Es geht nicht um eine lustige Abwechslung auf CSDs, es geht nicht um das Verteilen von Kondomen in Clubs, es geht nicht um das Zuhören, Beraten und Begleiten nach einer Infektion.

Es geht um den wichtigsten Grund überhaupt: Den Menschen.

Genauergesagt um 34 Millionen einzelne, wertvolle Gründe!

Diana wäre stolz gewesen: Elton John & Prinz Harry begeistern

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England. Oh ja, da denken die meisten in diesen Zeiten als erstes wohl an „Brexit“- an Menschen die den europäischen, den gemeinschaftlichen Weg verlassen wollen. Aber nein: Hier in Durban sind gerade zwei herausragende Vertreter des Landes auf der Bühne: Sir Elton John & Prince Harry.

Und sie begeistern rund 1000 Menschen – viele davon sind Jugendliche – hier im größten aller Seminarsäle mit Weltoffenheit, Zusammenhalt und ganz viel Hoffnung. Prinz Harry spricht rund acht Minuten und lässt in keiner Sekunde einen Zweifel daran, dass er in die Fußstapfen seiner großartigen Mutter getreten ist: „Keiner hat zu dem Zeitpunkt als meine Mutter einem Aids-Kranken die Hand gehalten hat geglaubt, dass wir diese Krankheit besiegen“ so der Prinz. Diana hat darum gekämpft, ihr Sohn führt ihre Arbeit nunmehr fort und unterstützt die Arbeit der Elton John Foundation.

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Die Stiftung des wunderbaren Musikers und Aids-Aktivisten unterstützt insbesondere an HIV-erkrankte Kinder, lädt Sie zu Trainingscamps ein, um sie über die Infektion und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und macht sie so zu Multiplikatoren.

„Es ist endlich an der Zeit, dass sich kein Mensch mehr dafür schämt, HIV-positiv zu sein.“ Elton John hat recht: Auch in Deutschland verhindern Diskriminierung und Stigmatisierung, dass sich junge Menschen testen lassen – das muss aufhören. Jetzt.

„Stigma is the biggest killer“ sagt der Musiker – Stigmatisierung tötet mehr Menschen als die Infektion, die zwischenzeitlich unter Therapie zu einer gleichen Lebenserwartung führt, wie bei Menschen die nicht von HIV betroffen sind. „Ich möchte sehen, dass die Welt sich ändert“, schreit Sir Elton John ins Publikum – und alle hier fühlen wie er.

Er erzählt von seiner Jugend, wie seine Eltern wollten dass aus ihm ein angepasster Mann wird – „das konnte ich bis heute nicht erfüllen“, sagt er lachend und ergänzt: „aber ich habe auf mein Herz gehört.“ Er erzählt von seiner Begeisterung für Elvis Presleys Musik, der auch niemals angepasst war. Er benennt sein Alkoholproblem und den Wendepunkt an dem er gemerkt hat: „Meine Bestimmung ist es ein Anwalt und Aktivist für Menschen mit HIV und Aids zu sein“.

Und er erzählt auch von seiner Freundin Diana: “ Sie gab denen eine Stimme die keine hatten. Diana hatte ein Herz aus Gold“. Tränen laufen den meisten hier über den Wangen, die Power die von seiner Rede ausgeht ist enorm. Ihm gelingt es aber dabei, nicht in der Vergangenheit zu verweilen, sondern den vielen jungen Menschen im Saal zu sagen: „Ihr seid die Zukunft. Ihr seid diejenigen, die alles dafür tun müssen damit wir eine AIDS-freie Welt erreichen“.

Und ich bin mir sicher: Wir schaffen das.