Ihr helft uns nicht: Unsere Kinder sterben noch immer

Gestern abend, 19 Uhr: Feierabend im Global Village. Ab ins Taxi und auf zum Supermarkt. An der Theke gibt es frisches Gemüse und Fisch vom Grill. Wir haben Hunger und als wir an der Reihe sind fällt der Blick der Angestellten auf unser Konferenzschild: AIDS 2016 – Deutsche Delegation. Das Gesicht der Mitarbeiterin verfinstert sich: „Über was redet ihr da eigentlich auf der Konferenz? Unsere Kinder sterben nach wie vor“. Wir sind verdutzt und bevor wir antworten können kommt eine zweite Mitarbeiterin ums Eck mit den Worten: „Wo ist die versprochene Therapie – wieso bekommen wir sie nicht?“. Wir sind geschockt.

Um Worte ringend erklären wir zuerst, dass wir nicht für die Pharmaindustrie arbeiten. „Wir arbeiten für die Menschenrechte. Wir arbeiten für Menschen, die mit HIV leben.“ Der Blick der beiden verändert sich, ein Lächeln erscheint. Tanja stellt final klar: „Wir setzen uns für Menschen und gegen Rassismus ein.“ Rassismus – das ist das Wort, das alles verändert. Beide heben die Arme: „Rassismus! Genau das ist unser Problem!“

Es beginnt ein intensives Gespräch, dass uns bewegt. Vielleicht eines der bewegendsten Gespräche dieser Woche. Rassismus – dieser Aspekt wurde die ganze Woche kaum in einer der Veranstaltungen benannt. Tragisch, denn Rassismus prägt den Alltag, verhindert nach wie vor Millionen von Menschen den Zugang zu Medikamenten, Rassismus tötet. Noch immer.

Es ist an der Zeit darüber nachzudenken, wie HIV-Prävention und Rassismus zusammenhängen? Und mehr: Welche Folgen hat die bestehende Ignoranz dieses Problems langfristig für unsere Arbeit und unsere Gesellschaft? Es ist Zeit für ein Umdenken – weltweit.

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Diana wäre stolz gewesen: Elton John & Prinz Harry begeistern

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England. Oh ja, da denken die meisten in diesen Zeiten als erstes wohl an „Brexit“- an Menschen die den europäischen, den gemeinschaftlichen Weg verlassen wollen. Aber nein: Hier in Durban sind gerade zwei herausragende Vertreter des Landes auf der Bühne: Sir Elton John & Prince Harry.

Und sie begeistern rund 1000 Menschen – viele davon sind Jugendliche – hier im größten aller Seminarsäle mit Weltoffenheit, Zusammenhalt und ganz viel Hoffnung. Prinz Harry spricht rund acht Minuten und lässt in keiner Sekunde einen Zweifel daran, dass er in die Fußstapfen seiner großartigen Mutter getreten ist: „Keiner hat zu dem Zeitpunkt als meine Mutter einem Aids-Kranken die Hand gehalten hat geglaubt, dass wir diese Krankheit besiegen“ so der Prinz. Diana hat darum gekämpft, ihr Sohn führt ihre Arbeit nunmehr fort und unterstützt die Arbeit der Elton John Foundation.

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Die Stiftung des wunderbaren Musikers und Aids-Aktivisten unterstützt insbesondere an HIV-erkrankte Kinder, lädt Sie zu Trainingscamps ein, um sie über die Infektion und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und macht sie so zu Multiplikatoren.

„Es ist endlich an der Zeit, dass sich kein Mensch mehr dafür schämt, HIV-positiv zu sein.“ Elton John hat recht: Auch in Deutschland verhindern Diskriminierung und Stigmatisierung, dass sich junge Menschen testen lassen – das muss aufhören. Jetzt.

„Stigma is the biggest killer“ sagt der Musiker – Stigmatisierung tötet mehr Menschen als die Infektion, die zwischenzeitlich unter Therapie zu einer gleichen Lebenserwartung führt, wie bei Menschen die nicht von HIV betroffen sind. „Ich möchte sehen, dass die Welt sich ändert“, schreit Sir Elton John ins Publikum – und alle hier fühlen wie er.

Er erzählt von seiner Jugend, wie seine Eltern wollten dass aus ihm ein angepasster Mann wird – „das konnte ich bis heute nicht erfüllen“, sagt er lachend und ergänzt: „aber ich habe auf mein Herz gehört.“ Er erzählt von seiner Begeisterung für Elvis Presleys Musik, der auch niemals angepasst war. Er benennt sein Alkoholproblem und den Wendepunkt an dem er gemerkt hat: „Meine Bestimmung ist es ein Anwalt und Aktivist für Menschen mit HIV und Aids zu sein“.

Und er erzählt auch von seiner Freundin Diana: “ Sie gab denen eine Stimme die keine hatten. Diana hatte ein Herz aus Gold“. Tränen laufen den meisten hier über den Wangen, die Power die von seiner Rede ausgeht ist enorm. Ihm gelingt es aber dabei, nicht in der Vergangenheit zu verweilen, sondern den vielen jungen Menschen im Saal zu sagen: „Ihr seid die Zukunft. Ihr seid diejenigen, die alles dafür tun müssen damit wir eine AIDS-freie Welt erreichen“.

Und ich bin mir sicher: Wir schaffen das.

HIV-PrEP-Interview unter Palmen: Dr. Will Nutland & Flo

Auch hier in Durban wird umfangreich über die PrEP diskutiert. Bei der Pre-Exposure Prophylaxis (PrEP) nehmen HIV-negative zum Schutz vor einer Ansteckung HIV-Medikamente ein. Das kann vor allem dann sinnvoll sein, wenn man sich aufgrund bestimmter Risikosituationen temporär vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen möchte.

Viele Kritiker meinen: Wieso soll ich eine Pille (Prophylaxe) schlucken um die Einnahme einer anderen Pille (HIV-Mediaktion) zu verhindern? Ganz einfach: Weil jeder von uns Zeiten im Leben hat, in denen er oder sie besonders sexuell aktiv ist und damit auch ein erhöhtes Infektionsrisiko hat. Nimmt jemand in dieser Zeit die PrEP und bleibt von einer Infektion verschont, kann so zu einem späteren Zeitpunkt im Leben – an dem kein  Risiko mehr für eine Infektion besteht – ein Leben ohne HIV-Medikamente geführt. Ob und für wen das Sinn macht – darüber muss sich jeder selbst sein Urteil bilden.

Unbestritten ist: Die PrEP ist – richtig angewendet – ein wirksamer Schutz vor der Ansteckung mit HIV. Genügend Studien beweisen das inzwischen. Hätte es die Möglichkeit vor zehn Jahren bereits gegeben: Ich hätte sie genutzt.

Mehr Infos zur PrEP findet ihr hier:

HIV-PrEP: HIV-Medikamente für Negative zum Schutz vor einer Ansteckung

Als ich vorhin Dr. Will Nutland (London School of Hygiene & Tropical Medicine) am Stand traf, der hier fleissig für prepster.info unterwegs ist, war mir klar:

Schnapp dir den Mann, die Kamera und die nächste Palme.

Hier seht ihr (auf englisch) was dabei rauskam:

VIDEO ist in Kürze verfügbar. 

 

 

Dunkle Haare, durchtrainiert…

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„Dunkle Haare, durchtrainiert und mit einem breitem Grinsen im Gesicht“, mit diesen Worten beginnt das Interview der charmanten Journalistin Jeanne Turcynski vom Bayerischen Rundfunk – meinem neuen Lieblingssender. 😉

Jeanne beschreibt damit in ihrer Anmoderation zu dem rund zweiminütigen Beitrag mich. Durchtrainiert – und das obwohl ich in meiner Kindheit schon eher meist den Turnbeutel zu Hause vergessen hatte und auch heute noch in einem Fitnessstudio ohne Umwege direkt zum Wellness übergehe.

Viel Freude also beim Interview für den BR bei dem auch die Geschäftsführerin der Deutschen AIDS-Hilfe Silke Klumb zu Wort kam. Anhören und teilen – wir freuen uns.

Und by the way: Habe ich schon erwähnt wie wunderbar der BR ist? Wie ihr euer Radio zukünftig auf diesen Sender einstellen könnt? Mal hier schauen: http://www.br.de

Hier gibt es den Mitschnitt auf die Ohren:

 

 

Haltet die Versprechen für Afrika!

 

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Tausende Menschen nehmen gerade an der Demo zum Auftakt der Welt-Aids-Konferenz in Durban/Südafrika teil. Sie gehen – wie wir – auf die Straße um lautstark daran zu erinnen: Aids tötet noch immer. Wir fordern einen weltweiten Zugang zu Medikament für jeden Menschen.

„Gebt die Hoffnung nicht auf, Afrika“ & „Haltet die Versprechen für Afrika!“ steht auf den Plakaten, wieder andere erinnern die europäischen Länder mit Botschaften wie „Don´t Brexit the Aids response“ daran, gerade jetzt nicht die Finanzierung zum Global Fund zu kürzen.

Es ist ein großartiges Gefühl hier mit vielen anderen Menschen für die richtige Sache zu demonstrieren. Es wird gesungen, getanzt: Südafrika hat auf diese Konferenz gewartet. Die Themen HIV & Aids sind hier so unglaublich erschreckend präsent, dass einem jegliche Dimenson dafür in Europa fehlt.

Wöchentlich infizieren sich allein in Südafrika 10.000 Menschen mit HIV – überwiegend Frauen, viele davon in der Folge von sexueller Gewalt.

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Die Welt muss aufhören wegzuschauen.

HIV ist, was du draus machst!

Der zweite Tag unserer Vorkonferenzen hat begonnen und mit ihm auch heute die Vernetzung zu anderen HIV-Aktivisten aus aller Welt. Überwältigt von dem Zusammenhalt über alle Grenzen und Länder hinweg ist der Spirit den ich hier tanke kaum in Worte zu fassen.

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“ HIV ist, was du drau machst.“ Florian Winkler-Ohm auf der Welt-Aids-Konferenz 2016

Jeder lächelt, überall ein „how are you“, ganz viele „free hugs“ – der Zusammenhalt im Kampf für die eine gute Sache – eine Aids-freie Welt bis 2030 – ist der Motor dieses Kongresses. Und bereits am zweiten Tag hier in Südafrika beschleicht mich das Gefühl das dieser Kongress der alle vier Jahre über 20.000 Teilnehmer – Ärzte, Pharmaunternehmen, Hilfsorganisationen und Aktivisten – zusammenbringt, auch den Treibstoff zum Motor liefert , der einen durch die nächsten vier Jahre bringen wird.

Während meine Kolleg*innen der Deutschen Delegation sich auf die anderen Vorkonferenzen verteilt haben, bin ich seit gestern auf der LIVING 2016 – jener Konferenz, welche ausschließlich von HIV-Positiven für HIV-Positive gestaltet ist.

Den zweiten Morgen nehme ich mir vor nicht zu heulen und versage erneut nach zwanzig Minuten, weil die Redner aus aller Welt hier einen so POSITIVEN Spirit versprühen, bei dem jeder Motivationstrainer einpacken kann. Kein Wunder eigentlich, haben wir doch alle hier durch unsere Infektion und den Kampf um Akzeptanz, Medikation und den Weg zurück in ein selbstbewusstes Leben mit HIV die bestmöglichste Ausbildung genossen, um nun anderen Menschen unsere Hilfe anzubieten.

Es ist großartig hier die Redner zu hören. Ich hatte bereits einmal zum Welt-AIDS-Tag die große Ehre in der Frankfurter Paulskirche zu sprechen. Auch hier kann ich meine Einstellung vielen Menschen mit auf den Weg geben.  Was ich den Menschen und dir zum Thema HIV & Aids in Deutschland  zu sagen habe, liest du hier:

Bei HIV & Aids denken die meisten sofort an Tod, Trauer, die 80er, „Philadelphia“ und den Welt-AIDS-Tag – 1988 wurde dieser von der WHO ins Leben gerufen. Rund um den Globus rufen seither am 1. Dezember verschiedenste Organisationen dazu auf, aktiv zu werden im Kampf gegen HIV, Solidarität zu zeigen mit Infizierten und all derer zu gedenken, die den Kampf gegen die Erkrankung verloren haben.

Seit 1988 hat sich jedoch vieles verändert. Hochwirksame Medikamente und ein breiter Therapieerfolg sorgen zumindest hierzulande dafür, dass sich das Gesicht von HIV gewandelt hat. Zumindest im medizinischen Bereich.

Ganz anders sieht es da jedoch beim breiten Wissen in der Bevölkerung aus, bei der Angst vor möglichen Infektionen beim Kontakt mit Positiven und bei so manchem Arbeitgeber. Noch zu tief sitzen in der Generation 40+ die Schreckensbilder der 80er-Jahre, zu viele negative Meldungen mit Wörtern wie „Seuche“, „Epidemie“ und „tödliche Ansteckungsgefahr“ wurden von meinen Journalistenkollegen hierfür verfasst. Berichte über wirksame Medikationen, über den neuen Schutz durch Therapie für diskordante Paare (eine/r Positiv, eine/r Negativ) und eine Wende hin zu einer chronischen Erkrankung findet man auch im Rahmen der Berichterstattung meiner Meinung nach noch immer viel zu wenig.

Ich selbst bin seit über zehn Jahren positiv. Und mit mir wächst eine neue Generation von Positiven in Deutschland heran. Eine Generation, die von Anfang an in den Genuss hochwirksamer Therapien kommt und für die HIV nicht mehr zwangsläufig mit den Schreckensbildern der Vergangenheit behaftet ist. Und schaut man sich die neuen Zahlen des Robert Koch-Instituts an, stellen wir fest: Rund 83.000 Menschen leben inzwischen deutschlandweit mit dem Virus, davon rund 13.000 unter Therapie. (Stand: 2014/RKI)
Ist das nicht eine großartige Entwicklung, sich ernsthaft darüber Gedanken machen zu können, ob HIV-Hilfe nicht der passendere Begriff ist? Zeigt nicht allein diese Tatsache, dass wir in Deutschland dank sehr guter medizinischer Versorgung den wichtigsten Schritt erreicht haben: Den Ausbruch von Aids in nahezu allen Fällen zu verhindern und die HIV-Infektion zu einer chronischen Erkrankung zu machen, mit der es sich leben lässt?

Ich bin kein Freund vom Verweilen in der Vergangenheit. Ich bin deutschlandweit unterwegs, um HIV-Prävention zu betreiben: in Schulen, auf Straßenfesten, auf CSDs, bei Talkrunden.Und auch wenn es einige vielleicht nicht gerne hören – aus vielen Gesprächen mit jungen Menschen an unseren Präventionsständen kann ich euch sagen: Die Assoziationen, die Aids noch vor einigen Jahren ausgelöst hat, existieren in den meisten Köpfen der heutigen Jugend nicht mehr.

Es hat sich was getan – in der Aufklärung und in unseren Behandlungsmöglichkeiten:

Es ist nicht mehr wie in der x-fachen Wiederholung des zweifelsohne guten Films „Philadelphia“. Wir sterben nicht mehr an Aids. Zumindest nicht in Deutschland. Ansteckungswege und Risikofaktoren sind heutzutage klar erforscht. Und dann gibt es noch die neue Erkenntnis, die nur schwierig zu kommunizieren ist: Der Schutz durch Therapie ist wirksamer als durch ein Kondom, wenn wir andere sexuell übertragbare Infektionen außen vor lassen.

Mein Auftrag als HIV-Positiver ist es, dieser Infektion ein neues, realistisches Bild zu geben. Ein Bild, das zu dieser Welt-Aids-Konferenz passt. Denn wenn wir gegen Stigmatisierung und Diskriminierung ankämpfen und etwas in der Gesellschaft verändern wollen, müssen wir diese wichtige Woche auch hierfür nutzen.

Und dabei ist es meines Erachtens wichtig, wie ich selbst hierüber kommuniziere. Erst gestern habe ich hier ein Interview für einen Radiosender gegeben. Nach der Beantwortung des Fragenkatalogs dachte ich so für mich: wie unspektakulär. Keine nennenswerten Nebenwirkungen, ein Freundeskreis, der darüber Bescheid weiß, Eltern, die inzwischen im Thema sind, keine Kur, keine Frührente, nichts.

Bin ich überhaupt noch der geeignete Interviewpartner für so eine Konferenz? Ich hoffe schon – denn vieles dieser in unserer Community so selbstverständlichen Facts sind in unserer Gesellschaft noch nicht angekommen. Wir können gemeinsam aufräumen mit alten Klischees!

Die Entscheidung, die ich als HIV-Positiver treffen kann, ist die, wie ich – insbesondere zu einer Welt-AIDS-Konferenz – mit meiner Infektion umgehe und welches Bild ich hierüber in der Öffentlichkeit präsentieren möchte.

Ja, auch ich habe gute und enge Freunde an den Kampf gegen Aids verloren. Und ja, es gibt nach wie vor zu viele Patienten, die an den Folgen der Infektion trotz hochwirksamer Therapien scheitern. Bei allem Gedenken an diese Tragik möchte ich dennoch, dass die Welt-Aids-Konferenz und ich als Botschafter dieser Veranstaltung der breiten Öffentlichkeit – die wir durch moderne Medien inzwischen erreichen können – auch ein zeitgemäßes und realistisches Bild über die Infektion geben dürfen.

Und wenn Sie so wollen, dann bin ich hier stellvertretend für all die Menschen in Deutschland, die trotz ihres positiven HIV-Status ein normales, ein gesundes und erfülltes Leben führen: All diejenigen, die die Frage „Wie geht es dir?“ mit „bestens“ antworten würden.

Klar gibt es auch in meinem Leben immer wieder Rückschläge – jedoch: Es ist an der Zeit, dass wir das Unwissen und die unbegründete Angst im Umgang mit uns HIV-Positiven nicht weiter hinnehmen. Es ist Zeit, dass wir aufräumen mit „alten Bildern“ und falsch behafteten Klischees.

HIV ist, was du draus machst – fände ich einen tollen Slogan für die nächste Welt-Aids-Konferenz. Denn wer, wenn nicht wir könnte einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, das Bild über HIV und auch die damit einhergehenden Diskriminierungen und Stigmatisierungen zu verändern?

Lasst uns – gerade in Deutschland – aufbrechen in ein neues HIV-Zeitalter. In denen wir Unwissenden nicht als Erstes vom Tod und dem Leid der 80er, sondern von den Chancen und den neuen Möglichkeiten des Jahres 2016 erzählen. Erst, wenn uns das in breiter Front gelingt, dürfen wir mit einer Veränderung in der Gesellschaft rechnen.

Lasst uns daher gemeinsam voller Optimismus und Zuversicht und in dem Wissen darum, dass es noch viele Hindernisse zu überwinden gibt, an dem Ziel arbeiten, dass der Umgang mit HIV-Infizierten zur normalsten Sache der Welt wird. Und helft uns, dass auch dies Welt-Aids-Konferenz nicht nur zu einem medialen Ereignis des Gedenkens, sondern auch zu einer Woche der Zuversicht und des Aufbruchs in einen neuen selbstbewussten Umgang mit diesem Thema wird.

HIV ist, was du draus machst.

PaulskircheX

Florian Winkler-Ohm am 1. Dezember 2013 in der Frankfurter Paulskirche zum Thema „HIV 2.0“

 

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Für eine Welt ohne AIDS bis 2030.

Aids beenden: Wir sind zu leise!

„Break the Silence“ – breche das Schweigen. Mit diesen Worten eröffnete Shaun Mellors die „LIVING 2016“ – jene Vorkonferenz zur Welt-AIDS-Konferenz in Durban, für die ich mich registriert habe und von der ich euch heute und morgen berichte.

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Wir alle sind zu leise: Vor 16 Jahren – im Juli 2000 – war die Welt schon einmal zu Gast in Durban. Die damalige Welt-AIDS-Konferenz gilt bis heute als Wendepunkt im Kampf gegen Aids und für die Rechte von HIV-Positiven, insbesondere in der sogenannten „Dritten Welt“.

Konnte man damals bei den vorausgegangenen Welt-AIDS-Konferenzen in Vancouver und Genf noch angesichts fehlendem Zugang zu Therapiemöglichkeiten für die „Dritte Welt“ und erschreckender aber nicht repräsentativer Zahlen aus intransparenten Studiensettings von HIV-Infizierten noch mit den Achseln zucken, gelang es vor 16 Jahren hier in Durban der ganzen Welt die Augen zu öffnen. So könne man nicht weitermachen – da war sich die Welt einig – einig darin, dass man nicht einfach zuschauen kann, wie jeder zweite junge Erwachsene in Afrika der Immunschwäche zum Opfer fallen wird.

16 Jahre später ist nun die Welt wieder zu Gast in Durban. Und stellt zehn Minuten nach Kongressbeginn fest: Wir haben das Schweigen gebrochen. Aber wir sind noch nicht laut genug. Zu viele Freunde haben wir an Aids verlieren müssen. Weil Zugang zu Therapien fehlen, weil HIV nach wie vor mit Stigmatisierung und Ausgrenzung behaftet ist, weil wir nicht laut genug sind in unserem Kampf für die Menschen und gegen das Virus.

„Wir müssen lauter sein – weltweit“, nach diesem Satz steht hier der ganze Saal und klatscht, jubelt, schreit, einige singen, andere weinen. Und jedem von uns wird klar: Wir sind nicht laut genug. Wir investieren unsere Zeit – haupt- und ehrenamtlich in diesem Kampf, aber wir sind – gerade in Deutschland – leiser geworden. Viel zu leise.

Es bedarf unseres Aufschreis, unserm „Laut-sein“ um Aids zu besiegen. ENDING AIDS BY 2030 – AIDS bis 2030 zu besiegen: Das ist das Motto unter dem hier die nächsten zehn Tage Wissenschaftler, Ärzte, Hilfsorganisationen und Aids-Aktivisten zusammenkommen.

16 Jahre nach der ersten Konferenz in Durban ist viel passiert. Nicht nur in Deutschland – auch in Afrika der Dritten Welt, wie sie sich hier bezeichnen. Einem Begriff den im vorangegangen Satz zum letzten Mal verwendet habe und fortan aus meinem Wortschatz streiche in der festen Überzeugung das er falsch ist – inhaltlich und in der Art und Weise in der er bei seiner Verwendung eine Spur hinterlässt.

Aids zu beenden ist unser gemeinsames Ziel – in der einzigen Welt in der wir alle leben. Und jeder von uns kann mithelfen dieses Ziel bis 2030 zu erreichen, jeder kann mithelfen laut zu sein, zu erinnern an die vielen die den Kampf gegen Aids verloren haben. Und an die vielen denen dieser Kampf noch bevorsteht.

Seid laut. Seid lauter. Hört nicht auf oder fangt erst richtig an: Lasst uns gemeinsam Aids beenden.

Bitte kommentiert, teilt und schreit mit die nächsten zehn Tage.

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Mehr Infos unter http://www.flosithiv.com und facebook.com/flosithiv #HIV2016