Ostertreffen in Berlin: Fetisch ist ne Glaubensfrage

Screenshot 2017-04-13 19.37.00.png„Machst du was in deinem Blog zum Thema Glauben jetzt an Ostern?“ bin ich heute im Büro noch gefragt worden. Ja, mache ich. Irgendwie muss sich ja der erzkatholische Religionsunterricht in Bayern dann bezahlt machen.

Pilgerfahrten sind so n Glaubensding – die sind voll im Trend, Jahr für Jahr. So auch an diesem Osterfest. Und wie immer geht es nach Berlin – zumindest wenn man(n) der Fetisch-Community angehört, die sich in diesen Tagen wieder in Schöneberg zum jährlichen Get-together einfindet.

Klaus Kirschner – sowas wie die „Heilige Mutter der LFC-Community“ – ist ja der Meinung „Fetisch ist ne Glaubensfrage“. Und ich finde: Er hat recht. Wir – und ich zähle mich da bewusst mit dazu – glauben an etwas: Ob das nun die sexuelle Erfüllung durch Spanking, das Sniffen an Sneakers oder das Wedeln mit dem Schwanz als Doggy ist.

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Wir glauben, das ist erfüllend – für die eigene Sexualität und das harmonische Miteinander innerhalb der Szene.

Anders als andere fundamentalistische Glaubensfragen in diesen Tagen sind die Jungs die sich zum alljährlichen Oster-Fetischtreffen in Berlin versammelt allesamt Engel.

Wenn auch mitunter in dunkles Leder gehüllt, gilt die einfache Devise: Je härter das Outfit umso weicher der Inhalt. Und so freue ich mich auf großartige Bilder in Schöneberg in denen mit Ketten und Peitschen beladene Lederkerle mit sanftem Lächeln ihre Schwarzwälderkirschtorte genießen und dabei auch ihren zweibeinigen Doggy unter dem Tisch mit reichlich Sahne verwöhnen.

Genug Bilder im Kopf oder schwer vorstellbar? So ist das mit Glaubensangelegenheiten. Aber ich schwöre euch, wenn ihr bis Montag nach Berlin-Schöneberg kommt dann seht ihr wie wahre Wunder aussehen: Wenn tausende harter Kerle gemeinsam auf Eiersuche gehen und friedlich miteinander knutschen. Frohe Ostern.

Und hier ist die „Heilige Mutter der LFC-Community“ im Interview mit mir:

 

Du glaubst an gute Taten? Dann sei so nett und klick unten rechts auf FOLGEN – ich freue mich über neue Blogfollower – nicht nur an Ostern. Danke, dein Flo.

Harte Schale, weicher Kerl: Ein Plädoyer für die Fetisch-Community

Gerade beim Bäcker: Vor mir ein starker, behaarter Kerl im Lederoutfit mit großem Nasenring, hinter mir zwei Jungs, ganz in Gummi einer davon an einer Hundeleine kniend neben seinem offensichtlichen Herrchen. Es ist Folsom in Berlin. Und somit eines der ganz normalen Fetisch-Wochenenden die Jungs aus aller Welt nach Berlin locken.Und während ich noch im allmorgendlichen Halbschlaf darüber nachzudenken beginne, ob nun Doggys die sprechen können in eine Bäckerei dürfen oder doch besser standesgemäß vor der Bäckerei angeleint werden müssen, bedient Fatima – so heisst die Inhberin der Bäckerei in unserem Nebenhaus – den Nasenringträger mit dem strengen Blick.

„Drei Croissants und zwei Milchkaffee mit extra viel Schaum bitte, junge Frau.“ Fatima muss lachen, obgleich man hierbei anmerken muss dass sie Anfang 50 ist. Und auch auch ich fange an zu lachen. Harte Schale, weicher Kern – denke ich und wünsche mir einmal mehr, diesen Moment des interkultursexuellen Moments mit der ganzen Welt zu teilen. „Det is Berlin, wa“ sagt das Herrchen ungefragt hintermir, obwohl ja wahrscheinlich so ein Herrchen grundsätzlich nicht erst gefragt werden muss.

„Das ist die Fetisch-Community“ antworte ich grinsend, realisierend das ich selbst gerade in einer wahrscheinlich für jeden ausserhalb dieses besonderen Stadtteils lebenden als viel zu kurz empfundenen Adidas-Glanzshorthose dastehe und somit Teil dieser Bäckerei-Fetisch-Gemeinde bin.
Wenige Meter ist unsere Wohnung weg vom Axel Hotel, jenem Haus das auf seinen Türen mit „Heterofriendly“ wirbt und das genau gegenüber Fatimas Bäckerei liegt. Was für ein Glück hier zu leben – inmitten des schwulen Kiezes, inmitten lauter Freigeistern, Künstlern und Individualisten.

Wie selbstverständlich ist daher dieser gerade in der Bäckerei erlebte Moment, der sich mehrfach im Jahr wiederholt. Ostertreffen, CSD, schwullesbisches Straßenfest, Folsom, Hustla Ball – es gibt viele Gründen im Jahr für einen Besuch in Berlin, für ein Ausleben von Fetischen und für ein Treffen der Communnity. Ob Leder, Gummi, Sportswear: Die Fetisch-Community ist eine Besondere, mit starken Freundschaften und einer Unverklemmtheit, die man jeder Couch-Potato nur wünschen kann. Und nur um das anzumerken: Ich habe nichts gegen Couch-Potatos, ich bin ja tolerant.

Jedoch meinte Dieter Kosslik, Intendant der Internationalen Berliner Filmfestspiele ja mal: „Couch-Potatos werden die Welt nicht retten.“ Und er hat recht: Dieser bunte Haufen hier, der in diesen Tagen Folsom feiert, sich zum Fetischdinner trifft, Freunde besucht und abends auf Mega-Sexpartys mit hunderten, wahrscheinlich sogar über tausend anderen Fetischkerlen im wahrsten Sinn des Wortes die Sau rauslässt kann die Welt retten, oder zumindest verändern.
In Zeiten in denen uns Parteien wie die AfD weiß machen will,das selbst die brävsten, bürgerlichen, verlebenspartnerten Schwulen und Lesben nicht mehr in ihr Weltbild passen, ist es umso wichtiger, dass wir als sichtbarer Teil der Szene selbstverständlich unseren Platz einfordern.

Das mag nicht in jedermenschs Weltbild passen: Ein Lederkerl, ein Doggy und ein Typ in knapper Glanzshort mit ausgelatschten Sneakers, die bei Fatima Brötchen holen. Aber hey, wem es gelingt sich im persönlichen Kontakt mit einem dieser wunderbaren Menschen zu unterhalten, wer begreift wie Fetischkerle ticken, wie stark unsere Community ist und welch ein Zusammenhalt dort an Tagen wie diesen herrscht, der ist der breiten Masse einen Schritt voraus.

Ich jedenfalls freue mich, Teil dieser Community zu sein, an diesem Wochenende Freunde zu treffen und voller Selbstverständlichkeit beim Verlassen der Bäckerei dem Doggy übern Kopf zu streicheln um seinem Herrchen mitzuteilen: „Das ist ja ein ganz ein Braver.“

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Wie wichtig der Zusammenhalt in der Community ist, hat mir auch Thomas Rappel – ehemaliger Bavarian Mr. Leather – in einem kurzen Interview in München erklärt.

Seht selbst:

 

 

Franz: Seit 1987 HIV-positiv. Und er wird nicht älter…

Franz und Cher teilen ein magisches Geheimnis: Beide werden niemals älter. Wie das funktioniert verrät Franz in diesem Video. Und falls nicht, erfährt ihr auf jeden Fall wie es für Franz war in den 80er Jahren mit dem HI-Virus positiv getestet worden zu sein, wie es war alle Freunde an HIV zu verlieren und dennoch heute voller Lebenslust für das Zentrum für Aidsarbeit in Schwaben und die Kampagne ICH WEISS WAS ICH TU (IWWIT) der Deutschen Aids-Hilfe vielen Menschen Mut zu machen.

Seit 1987 ist Franz HIV-positiv. Das ist so ungefähr als ich geboren wurde. Ja, ungefähr 😉 Was uns jedenfalls seit rund fünf Jahren eint, ist der gemeinsame Einsatz für die IWWIT-Kampagne, insbesondere im Fetisch-Bereich.

Am Freitag startet in Berlin Folsom Europe – der Höhepunkt jeden Jahres für die Fetisch-Community in Europa und für Franz eines der wichtigsten Termine in seinem mehr als vollen Reisekalender zu Präventionseinsätzen. Mit viel Einsatz und noch mehr Reisegepäck verwandelt sich dann auch Franz wieder in einen wahrhaftigen Fetischkerl. Wie genau das aussieht,  das bleibt an dieser Stelle ein Geheimnis.

Nur soviel: Cher ist neidisch. Aber seht einfach selbst:

Mehr Informationen zum AWO-Zentrum für Aidsarbeit Schwaben gibt es unter: http://www.zas-schwaben.de

Mehr Informationen zu Franz´Engagement bei ICH WEISS WAS ICH TU: http://www.iwwit.de/kampagne/team/franz