#nochvielvor

Ich möchte euch heute auf eine neue Kampagne aufmachen: Mit der Initiative #nochvielvor wollen wir Betroffenen Mut machen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Gleichzeitig wollen wir als positive Gesichter die breite Öffentlichkeit aufklären:

Menschen mit HIV können ein genauso langes und erfülltes Leben führen wie Menschen ohne HIV-Infektion.

Wir sprechen nicht mehr nur über Lebenserwartungen, sondern über Erwartungen ans Leben: also über Lebensqualität, Perspektiven und Ziele von Menschen, die mit der HIV-Infektion leben.
Menschen mit HIV können mit einer erfolgreichen Therapiebehandlung heutzutage eine Ansteckung nahezu ausschließen und beispielsweise Partnerschaften führen, eine Familie gründen und viele langfristige Pläne für ihr Leben schmieden.


Wir wollen erreichen, dass Menschen mit HIV ihre Möglichkeiten kennen und nutzen. Damit sie ein gutes und langes Leben führen können.

Wenn ich wir sage, so sind dass derzeit vier tolle Menschen die mit ihrer ganz persönlichen Geschichte Mut machen und Zuversicht ausstrahlen möchten:

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Hildegard, Fabian & André und ich erzählen unseren Blick auf das Leben mit dem Virus.

In den nächsten Tagen stelle ich euch alle Mitstreiter_innen von #nochvielvor einzel vor.

Und wie immer: Ich freue mich, wenn du diesem Blog folgst, ihn teilst oder mit uns diskutierst. DANKE.

Wer hats erfunden?

blog-faceDa ist er wieder: Welt-AIDS-Tag 2017. Rote Schleifen gegen das Vergessen, Spendengeldaquise für den guten Zweck und Betroffenheit zum Nulltarif.

Und pünktlich wie „Dinner for one“ beglückt die gerührte Fernsehnation morgen um 21.20 Uhr ein Privatsender mit Philadelphia – inzwischen im 15ten Jahr seit Drehschluss: halleluja!

„Noch immer ist kein Mittel gegen AIDS erfunden worden“, mahnte gestern die Darsteller_in im Varieté Wintergarten nach der Vorstellung und verband die Dramatik des Moments mit dem gut gemeinten Aufruf beim Gehen, doch etwas für die Aktion „Künstler_innen gegen AIDS“ zu spenden. So funktioniert Spendenaquise eben am Besten: Drama gegen Kohle – da ist es ganz gleich um was es geht: Hungersnot oder HIV.

Natürlich: Es ist toll, dass derartige Initiativen dazu beitragen, Organisationen zu unterstützen die sich für Menschen mit HIV engagieren. Als Positiver, der das große Glück hat in Deutschland unter wirksamer Therapie zu sein, wünsche ich mir jedoch vor allem eines:

Weniger Vorurteile, weniger Diskriminierung, weniger Stigmatisierung.

Alle drei Punkte zählen in einem Land wie Deutschland zu den Hauptsorgen mit denen HIV-Positive sich auseinandersetzen müssen: Da ist der eigene Vater der nach dem zwanzigsten Erklären der Übertragunswege noch immer nicht vom gleichen Teller probiert, die Zahnärzt_innen denen man im Jahr 2017 noch Informationsmaterial zu HIV zukommen lassen muss und die Frau die kürzlich bei einem Abendessen in einer Gruppe meinte: „Du bist der erste HIV-Positive, den ich kenne.“

Glaube ich nicht – ich bin vielleicht der erste, der es ihr offen ins Gesicht gesagt hat. So wie jemand der beiläufig erwähnt dass er eine Schilddrüsenunterfunktion hat. Die Frage ist doch: Wer spricht über seine Schilddrüsenunterfunktion beim ersten gemeinsamen Essen?

Niemand.

Wer sich jetzt fragt „wozu auch?“ erkennt das grundlegende Problem: Wir leben noch nicht in einer Gesellschaft in der wir über eine HIV-Infektion genaus unbekümmert sprechen können, wie über die Schilddrüse, die gestiegenen Cholesterinwerte oder den zu hohen Blutdruck.

Sollten wir aber. Denn wenn das gelingt, lösen sich einige der Hauptprobleme mit denen HIV-Positive leben: Vorurteile, Diskriminierung und Stigmatisierung brauchen allen voran Menschen die zu sich und ihrer Infektion stehen, darüber sprechen und aufklären, das Wisssen updaten und das Gegenüber beim Thema auf den neusten Stand bringt.

Wie wäre es also, wenn alle Positiven in Deutschland mal sagen „ich habs auch“ – quasi eine #metoo-Aktion für den HIV-Bereich?

Ich höre sie schon, die Kritiker mit Argumenten wie diesen:

  • Das kannst du nicht vergleichen: Metoo da gings um Vergewaltigung. HIV hat man sich ja selbst geholt.
  • Bestimmte Menschen können sich halt nicht outen – denk mal an die Folgen für die Arbeit und was die Kolleg_innnen dazu sagen.
  • Denk mal an die juristischen Folgen – da würde man sich doch glatt strafbar machen.

Alles Blödsinn natürlich – wir könnten das tun. Und einige von uns tun das auch: Voller Selbstbewusstsein und voller Engagement für Menschen die noch nicht so weit sind.

Wir nennen das Selbsthilfe – aus ihr entwuchsen sie alle: Die kleinen und große Organisationen des HIV-Bereichs, die Beratungsangebote, die Betreuungsangebote, die Aufklärungsarbeit in Schulen, die Prävention auf Partys und die vielen Plakate, die in diesen Tagen an den Litfasssäulen kleben.

Sie alle haben im Kern einen gemeinsamen Ursprung: Die HIV-Selbsthilfe.

Wir sollten das nicht vergessen – es sind nicht nur die Agenturen, Verbände und Sachbearbeiter_innen die diese Arbeit leisten – am Welt-AIDS-Tag und an den 364 übrigen Tagen des Jahres – es sind insbesondere die Menschen der HIV-Selbsthilfe, die zumeist ehrenamtlich für alle die kämpfen, denen unsere Gesellschaft noch nicht genügend Kraft gegeben hat, selbst für die eigenen Rechte und die Anforderungen an die Bedürfnisse einzutreten.

Wenn wir also gemeinsam am Welt-AIDS-Tag auf all das Vergangene zurückschauen, dann schaut genau hin, wer die Menschen waren, die diesen Erfolg geebnet haben.

Wer hats also erfunden? Richtig: die Menschen der Selbsthilfe!

 

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Mein erster KUS vom Ministerium

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Peinlich. Rechtschreibfehler in der Überschrift? Abwarten!

Es gibt sie – die Abkürzungen die echt Sinn machen, weil der eigentliche Name so lang ist, dass ihn sowieso keiner verwendet: HIV zum Beispiel steht für „Human Immuno Deficiency Virus“, auf deutsch „Humanes (oder auch menschliches) Immundefekt Virus“.

Auch BMG macht echt Sinn – denn mal ehrlich: Bundesministerium für Gesundheit rutscht nicht wirklich so schwungvoll über die Lippen. Gestern war ich genau dort, im BMG, zusammen mit zwei weiteren Vertreter_innen der HIV-Community nahm ich an der (ACHTUNG – jetzt wirds lang) 1. Sitzung des Koordinierungsgremiums zur Umsetzung der Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektion teil.

Ich gestehe: Ich bin ein Wort-Fetischischt – sowas gibts zwar nicht, aber wahrscheinlich auch keinen der das neugeschaffene Gremium ohne Fehler aussprechen kann. Daher einigen wir uns für meinen Blog auf die freundliche Abkürzung KUS – Koordinierungsgremium zur Umsetzung der Strategie. Wenn du vergessen hast welche, dann kannst du ja oben nachlesen 😉

Mit Spannung haben viele auf diesen Termin gewarten. Denn KUS folgt auf NAB.
Der Nationale AIDS-Beirat (NAB), der im Jahr 1987 als Beratungsgremium von der Bundesregierung eingesetzt wurde, beendete am 21. November 2016 seine Tätigkeit.

Insgesamt 48 Voten hat der Nationale AIDS-Beirat im Laufe der Jahre erarbeitet. Schwerpunktthemen waren dabei HIV-Testung, HIV-bedingte Stigmatisierung und Diskriminierung sowie Versorgung und Prävention.

Nach Presseerklärungen war dann im letzten Jahr bekannt: „Im Rahmen der Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen -„BIS 2030 – Bedarfsorientiert, Integriert, Sektorübergreifend“ – möchte das BMG im nächsten Jahr ein Gremium einsetzen, das die Umsetzung der neuen Strategie begleitet.“ Voilà – die Zukunft ist jetzt.

Gestern saß ich also zum ersten Mal in diesem neuen Gremium zusammen – ganz ehrlich eine gute und lobenswerte Sache – denn wenn Community-Vertreter auf Augenhöhe mit den Spitzenvertretern des Gesundheitssystems diskutieren und sich austauschen können ist die Grundlage für das geschaffen, was wir immer wieder in der Selbsthilfe fordern: Nothing about us, without us. Frei übersetzt: Nicht über uns reden, sondern mit uns.l

Hat schonmal geklappt – und soll zukünftig zweimal pro Jahr stattfinden. Es geht um sektorübergreifende Vernetzung – soll heißen: Nationale, regionale und lokale Organisationen, staatliche und nicht-staatliche sitzen gemeinsam an einem runden Tisch um gemeinsam über eine Sache zu sprechen: Die nachhaltige Eindämmung von HIV, Hepatits B und C, Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien, HPV und andere sexuelle und durch Blut übertragbare Infektionen. Ihr ahnt es schon: Der letzte Satz ist nicht von mir – so rund klingts nur beim BMG.

Fünf Handlungsfelder sieht das BMG dabei als Grundlage der Arbeit: gesellschaftliche Akzeptanz, Wissensgrundlage, integrierte Angebote, sektorübergreifende Vernetzung und sich hieraus ergebende bedarfsgerechte Angebote – insbesondere für folgende Bereiche:

  • Allgemeinbevölkerung
  • Mädchen/junge Frauen
  • Jugendliche
  • Männer, die Sex mit Männer haben
  • Injizierend Drogengebrauchende
  • Migrant_innen
  • Trans*-Menschen
  • Mutter-Kind
  • Justizvollzugsanstalten (Haftinsassen und Bedienstete)

Besonders bei den Bereichen Hafte, Trans*, Jungen/junge Männer und männliche Sexarbeiter sieht man beim BMG noch besonderen Bedarf an der Erweiterung der Wissensgrundlage.

Und so soll das neue Gremium zukünftig sich austauschen, beraten, unteinander vernetzen aber auch durch Ansätze und Maßnahmen bereichern und am Monitoring beteiligt sein.

Wie genau? In welchem Umfang? Mit welchen Befugnissen? Mit welcher Verantwortung?

Ganz ehrlich, das ist im BMG auch nicht anders, als in jeder guten Serie – die findet dann ihr Ende wenn man gerade an einem spannenden Höhepunkt angelangt ist. Gut gemacht jedenfalls für die Pilotserie – denn es bleibt spannend.

Also alles wie beim ersten Kuss, da freut man sich auf noch intesiver, tiefer, länger, und bleibt dennoch erstmal noch grün hinter den Ohren.

Kuss, KUS.

Ganz ohne Abkürzung sondern auf direktem Weg – rechts unten auf FOLGEN klicken und zukünftig keinen neuen Blogartikel von mir mehr verpassen.

Foto: Siegfried Schwarze – mit besten Empfehlungen für projektinfo.de

Ostertreffen in Berlin: Fetisch ist ne Glaubensfrage

Screenshot 2017-04-13 19.37.00.png„Machst du was in deinem Blog zum Thema Glauben jetzt an Ostern?“ bin ich heute im Büro noch gefragt worden. Ja, mache ich. Irgendwie muss sich ja der erzkatholische Religionsunterricht in Bayern dann bezahlt machen.

Pilgerfahrten sind so n Glaubensding – die sind voll im Trend, Jahr für Jahr. So auch an diesem Osterfest. Und wie immer geht es nach Berlin – zumindest wenn man(n) der Fetisch-Community angehört, die sich in diesen Tagen wieder in Schöneberg zum jährlichen Get-together einfindet.

Klaus Kirschner – sowas wie die „Heilige Mutter der LFC-Community“ – ist ja der Meinung „Fetisch ist ne Glaubensfrage“. Und ich finde: Er hat recht. Wir – und ich zähle mich da bewusst mit dazu – glauben an etwas: Ob das nun die sexuelle Erfüllung durch Spanking, das Sniffen an Sneakers oder das Wedeln mit dem Schwanz als Doggy ist.

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Wir glauben, das ist erfüllend – für die eigene Sexualität und das harmonische Miteinander innerhalb der Szene.

Anders als andere fundamentalistische Glaubensfragen in diesen Tagen sind die Jungs die sich zum alljährlichen Oster-Fetischtreffen in Berlin versammelt allesamt Engel.

Wenn auch mitunter in dunkles Leder gehüllt, gilt die einfache Devise: Je härter das Outfit umso weicher der Inhalt. Und so freue ich mich auf großartige Bilder in Schöneberg in denen mit Ketten und Peitschen beladene Lederkerle mit sanftem Lächeln ihre Schwarzwälderkirschtorte genießen und dabei auch ihren zweibeinigen Doggy unter dem Tisch mit reichlich Sahne verwöhnen.

Genug Bilder im Kopf oder schwer vorstellbar? So ist das mit Glaubensangelegenheiten. Aber ich schwöre euch, wenn ihr bis Montag nach Berlin-Schöneberg kommt dann seht ihr wie wahre Wunder aussehen: Wenn tausende harter Kerle gemeinsam auf Eiersuche gehen und friedlich miteinander knutschen. Frohe Ostern.

Und hier ist die „Heilige Mutter der LFC-Community“ im Interview mit mir:

 

Du glaubst an gute Taten? Dann sei so nett und klick unten rechts auf FOLGEN – ich freue mich über neue Blogfollower – nicht nur an Ostern. Danke, dein Flo.