Ihr helft uns nicht: Unsere Kinder sterben noch immer

Gestern abend, 19 Uhr: Feierabend im Global Village. Ab ins Taxi und auf zum Supermarkt. An der Theke gibt es frisches Gemüse und Fisch vom Grill. Wir haben Hunger und als wir an der Reihe sind fällt der Blick der Angestellten auf unser Konferenzschild: AIDS 2016 – Deutsche Delegation. Das Gesicht der Mitarbeiterin verfinstert sich: „Über was redet ihr da eigentlich auf der Konferenz? Unsere Kinder sterben nach wie vor“. Wir sind verdutzt und bevor wir antworten können kommt eine zweite Mitarbeiterin ums Eck mit den Worten: „Wo ist die versprochene Therapie – wieso bekommen wir sie nicht?“. Wir sind geschockt.

Um Worte ringend erklären wir zuerst, dass wir nicht für die Pharmaindustrie arbeiten. „Wir arbeiten für die Menschenrechte. Wir arbeiten für Menschen, die mit HIV leben.“ Der Blick der beiden verändert sich, ein Lächeln erscheint. Tanja stellt final klar: „Wir setzen uns für Menschen und gegen Rassismus ein.“ Rassismus – das ist das Wort, das alles verändert. Beide heben die Arme: „Rassismus! Genau das ist unser Problem!“

Es beginnt ein intensives Gespräch, dass uns bewegt. Vielleicht eines der bewegendsten Gespräche dieser Woche. Rassismus – dieser Aspekt wurde die ganze Woche kaum in einer der Veranstaltungen benannt. Tragisch, denn Rassismus prägt den Alltag, verhindert nach wie vor Millionen von Menschen den Zugang zu Medikamenten, Rassismus tötet. Noch immer.

Es ist an der Zeit darüber nachzudenken, wie HIV-Prävention und Rassismus zusammenhängen? Und mehr: Welche Folgen hat die bestehende Ignoranz dieses Problems langfristig für unsere Arbeit und unsere Gesellschaft? Es ist Zeit für ein Umdenken – weltweit.

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Haltet die Versprechen für Afrika!

 

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Tausende Menschen nehmen gerade an der Demo zum Auftakt der Welt-Aids-Konferenz in Durban/Südafrika teil. Sie gehen – wie wir – auf die Straße um lautstark daran zu erinnen: Aids tötet noch immer. Wir fordern einen weltweiten Zugang zu Medikament für jeden Menschen.

„Gebt die Hoffnung nicht auf, Afrika“ & „Haltet die Versprechen für Afrika!“ steht auf den Plakaten, wieder andere erinnern die europäischen Länder mit Botschaften wie „Don´t Brexit the Aids response“ daran, gerade jetzt nicht die Finanzierung zum Global Fund zu kürzen.

Es ist ein großartiges Gefühl hier mit vielen anderen Menschen für die richtige Sache zu demonstrieren. Es wird gesungen, getanzt: Südafrika hat auf diese Konferenz gewartet. Die Themen HIV & Aids sind hier so unglaublich erschreckend präsent, dass einem jegliche Dimenson dafür in Europa fehlt.

Wöchentlich infizieren sich allein in Südafrika 10.000 Menschen mit HIV – überwiegend Frauen, viele davon in der Folge von sexueller Gewalt.

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Die Welt muss aufhören wegzuschauen.