Spiel verloren. Herzen gewonnen.

Einfach göttlich, der Göttlich: Zwar hat es gerade beim Auswärtsspiel des FC St. Pauli in Dresden gaaaaanz knapp nicht gereicht (1:0), jedoch hat der Präsident und sein Verein bei den PoBe-Teilnehmer*innen ganz sicher viele Herzen gewonnen.

Wie toll schon seine Begrüßungsrede ankam, könnt ihr in meinem Blog vom ersten PoBe-Tag nachlesen:

HIV & Fußball: Zeit, dass sich was dreht

imageWie wichtig dem Verein das Thema ist, demonstrierte Oke Göttlich auch gestern: Zusammen mit seiner Familie nahm er auch bei der Demo „Stigma – zurück an Absender“ teil.

Ein großes Signal des Mannes, der sich auch für ein autofreies Hamburg  begeistern kann.

Und auch die Flyer und Broschüren verteilte der Präsident des FC St. Pauli gestern kräftig mit. Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle – soviel Engagement hat mehr als nur einen „guten Eindruck“ hinterlassen.

 

Oke Göttlich war der Schirmherr dieser Positiven Begegnungen. Kurz vor der Demo nahm er sich auch noch die Zeit um für meinen Blog über seine Beweggründe des Engagements zu sprechen. Seht selbst:

 

PoBe 2016: Nur gemeinsam gehts voran

Es ist so einfach und doch so schwer: Sei ein Teil der Lösung – mit diesem Motto finden noch bis heute Nachmittag die Positiven Begegnungen in Hamburg statt. Auf der alle zwei Jahre durchgeführten Konferenz tagen, diskutieren und planen HIV-positive Menschen welche Prozesse notwendig sind wenn es um das große Thema HIV geht.

Redet nicht über uns, sondern mit uns: Menschen mit HIV wissen am besten was sie wollen und brauchen. Deswegen ist die PoBe eine großartige, sinnvolle und erhaltenswerte Veranstaltung .

Auch deswegen, weil unsere Community so großartig bunt und vielfältig ist, dass der Austausch in bestimmten zeitlichen Abständen die notwendige Grundlage einer gemeinsamen strategischen Arbeit liefert.

Einer Arbeit mit dem gemeinsamen Ziel: Die Ausgrenzung und Stigmatisierung von HIV-positiven Menschen zu beenden.

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Vielfältigkeit bedeutet jedoch auch unterschiedliche Sichtweisen auf Dinge und Themen zu haben. Das wurde mir in meinem gestrigen Themenstrang Drogen ganz deutlich. Zwar kämpfen Konsumenten von Cannabis und chemischen Drogen – wie beispielsweise Crystal Meth – grundsätzlich beide um Akzeptanz: die Herangehensweisen können dabei aber grundsätzlich verschieden sein. Dies ist kein Hindernis sondern eine Chance für alle.

Es geht bei all unseren Themen nicht darum, zu allem eine gemeinsame Lösung zu finden. Es geht darum als Community gemeinsame Werte – wie Zusammenhalt und Wertschätzung für andere Sichtweisen – nach außen zu tragen.

Stigma-Logo2Hierbei ist es besonders von Bedeutung, dass es uns gelingt auch über die Positiven Begegnungen hinaus unsere gemeinsamen Anliegen laut, mutig und entschlossen in die Welt zu tragen.

Wir sind ein bunter Haufen: Männer die Sex mit Männern haben (MSM), Drogengebraucher*innen, Trans*Menschen, Frauen, Kinder & Jugendliche, Menschen die sich für einen Schutz durch Therapie entscheiden, PrEP-Nutzer*innen, Menschen in Haft, Menschen aus anderen Kulturkreisen oder anderen Ländern und viele weitere mehr.

HIV ist zwar der kleinste gemeinsame Nenner, jedoch nicht Grund genug alle Bedarfe über einen Kamm zu scheren – wir müssen hinhören, verstehen, lernen wollen und wirkliches Interesse zeigen.

Hier treffen tolle, liebenswerte und engagierte Menschen in Hamburg aufeinander und einmal mehr wird mir klar:

Jeder von uns ist Teil der Lösung. Doch: Nur gemeinsam gehts voran. #PoBe2016

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HIV & Fußball: Zeit, dass sich was dreht

Das ich mal über Fußball schreibe – der Sportart der ich durch konsequentes Turnbeutelvergessen – schon in Schulzeiten so gekonnt aus dem Weg gegangen bin – hat hier einen guten Grund: Und der heißt FC St. Pauli.

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Gestern Abend starteten in Hamburg die Positiven Begegnungen 2016 (PoBe)- bis Sonntag diskutiert, plant und organisiert hier die HIV-Community was in Sachen HIV gerade so läuft, was sich verändern muss und wo mal so richtig auf den Tisch gehauen werden muss.

Der Profifussball wäre da so ein Beispiel. Zwar hängen in den meisten Stadien inzwischen große Banner die für Gleichberechtigung und gegen Stigmatisierung werben – die Realität in den meisten Vereinen sieht hier jedoch leider noch anders aus. Grund genug also das Motto der PoBe – Sei ein Teil der Lösung – ernst zu nehmen um hier an Veränderungen zu arbeiten.

Dies lies sich der FC St. Pauli nicht zweimal sagen: „Unser Verein ist bekannt für sein Engagement gegen Sexismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Homopobie, gegen Ausgrenzung in jeder Form“ sagte gestern Abend im Rahmen der Eröffnung Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli. Für die Positiven Begegnungen in Hamburg hat er die Schirmherrschaft übernommen.

Der Verein ist – um mal in der Fußballsprache zu bleiben – Tabellenführer im Profifußball in Sachen Engagment für Emanzipation in einer Welt, in der das nicht selbstverständlich ist. Ausgrenzung von Minderheiten ist im Fußball noch immer furchtbar präsent.

Ausgrenzung eine Absage zu erteilen und Selbstverständlichkeit zu demonstrieren sind die Kernbotschaften der Eröffnungsrede des Schirmherrn:

Oke„Wir möchten deutlich machen: Eine HIV-Infektion muss und sollte keine Rolle spielen im Alltag. Nicht im Stadion und nicht beim Zahnarzt. Nicht auf dem Spielfeld und nicht am Arbeitsplatz. Nicht am Stammtisch und nicht in der Familie.“

Es sind starke Worte die auf begeisterte Zuhörer treffen im Audimax der Bucerius Law School – der Arena der Eröffnung – wie Holger Wicht, Moderator der Eröffnungsveranstaltung und Pressesprecher der Deutschen AIDS-Hilfe – sie in Erinnerung an die gerade zu Ende gegangen Olympischen Spiele getauft hat.

Es ist ein wichtiges Zeichen für einen selbstverständlicheren Umgang im Fußball der gestern hier gesetzt wurde – eine Punktlandung schon zum Auftakt der PoBe: “ Wo Menschen Angst haben, müssen wir aufklären. Zu viele Leute wissen noch nicht, dass HIV durch eine Blutgrätsche nicht übertragen werden kann“ – der Saal – gefüllt mit rund 400 Teilnehmern aplaudiert.

OkeUnd Göttlich fährt fort: „Diesen Menschen müssen wir erklären, dass man HIV ohne Problem Fußball spielen kann, so wie man alles tun kann: Alt werden, arbeiten Sex haben, Sport treiben. Das müssen wir immer wieder deutlich sagen und vor allem zeigen.“

Und er hat Recht. Es ist Zeit das sich was dreht hat Herbert Grönemeyer zur letzten WM bereits gesungen: Wo wir Zurückweisung begegnen, müssen wir erst die gelbe und dann auch mal die rote Karte ziehen. Augsrenzung ist nicht akzeptabel!

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Zeit, dass sich was dreht – sang ja schon Herbert Grönemeyer zur Fußball WM 2012 – und hey, wenn Herbert das singt muss das stimmen. Der hatte doch schon mit seinem Song „Männer“ recht…;-)

Bin dann mal ne Rund Fußballspielen und ihr könnt hier nochmal ganz entspannt den Herbert lauschen:

Foto: DAH/Johannes Berger

So Isses: Mein positives Testergebnis

So Isses – das war der Name einer authentischen Video-Reihe der Kampagne ICH WEISS WAS ICH TU vor rund fünf Jahren. Enstanden sind damals einige Videos, die ungeschminkt und klar die Protagonisten in den Fokus des Betrachters und der interessierten Öffentlichkeit brachten: Menschen mit HIV.  Menschen wie du und ich.

Einer davon war und bin ich. Und wann wenn nicht zum Start der Positiven Begegnungen 2016 – die bis Sonntag in Hamburg stattfinden – könnte man nochmal einen Blick auf dieses Video – meine Geschichte zum positiven Testergebnis – werfen.

Damals lebte ich noch in Augsburg und war verheiratet. Heute lebe ich in Berlin und bin immer noch verliebt. Und nachdem Schwule ja nie älter werden, ist das Video heute noch so „fresh“ wie damals….;-)

Hier gibts meine Geschichte:

Übrigens: Viele andere „So isses“-Videos findet ihr auch  auf YouTube oder über nachfolgenden Link: https://www.youtube.com/user/wwwIWWITde

Und weil Vielfalt rockt – hier noch die Geschichte von Thilo – So Isses.

Mit HIV zum Zahnarzt: Kein Märchen für die Zahnfee…

Nein er hat nicht gebohrt. Auch dieses Mal wieder nicht. Ich habe eine sehr gütige Zahnfee: Denn mit meinen knapp vierzig Jahren – die sich mehr nach knapp über zwanzig anfühlen (Widerspruch/Kommentare zu diesem Thema werden gelöscht 😉 – verschont sie mich noch immer vor diesen schrecklicken Instrumenten und Bohrern die in Griffweite meines Zahnarztes auf einem schnell herklappbaren Tischchen angsteinflößend auf ihren Einsatz warten.

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Ob es am guten Zähneputzen liegt oder schlicht an einer erblichen Veranlagung kann ich nicht sagen – aber bisher konnte in meinem Leben noch kein Zahnarzt mit mir wirklich Geld verdienen. Mein Vater redete als Kind mir immer ein, er könne mittels einer Videokamera im Bad mich beim Zähneputzen beobachten. Sollte mich natürlich nur zum tatsächlichen putzen animieren. Und war natürlich nur ein Spaß. Dennoch frage ich mich manchmal was heute wohl passieren würde, wenn ein Kind im Kindergarten erzählt „Mein Papa hat im Bad eine Videokamera mit der er mich beim Zähneputzen beobachtet.“ Ich glaube das kommt nicht mehr gut an. Da kommt heute statt der Zahnfee die SOKO Kinderschutz und stürmt das Haus.

Wäre damals sicher auch lustig gewesen, habe ich aber versäumt. Nichts desto trotz hat diese schwarze Pädagogik wohl dazu geführt, dass ich immer ordentlich die Zähne geputzt habe. Schöne Zähne, keine Probleme beim Zahnarzt. So war das immer.

Bis ich meine HIV-Diagnose bekam und meinen Zahnarzt – damals noch in Augsburg – mit gleicher Offenheit über diese Infektion begegnet bin, wie der ganzen Welt heute mit diesem Blog.

HIV & Zahnärzte – das ist seit jeher eine eher bissige Verbindung. Mangels Wissen berichten mir auch in der Präventionsarbeit immer noch viele Positive von Schwierigkeiten beim Zahnarztbesuch. Da gibt es Fragebögen in denen vorab nach der Infektion gefragt wird, da gibt es plötzlich keine freien Termine mehr oder man wird mit dem Hinweis auf besondere Desinfektion auf das Ende der Sprechzeit terminiert. Sicherheitshalber erst kommen, wenn der letzte HIV-freie Patient schon weg ist.

Hier sind die Top 5 der Probleme beim Zahnarzt für HIV-Positive:

  • Sie erhalten beim Arzt oder Zahnarzt keinen Termin. Einem Fünftel der Befragten beim „HIV-Stigma-Index“ war in den zwölf Monaten vor der Befragung eine medizinische Behandlung verweigert worden.
  • Oft erhalten HIV-Positive nur den letzten Termin am Tag. Begründung: Nach ihrem Besuch seien besondere Desinfektionsmaßnahmen erforderlich.
  • Die HIV-Infektion wird nicht immer vertraulich behandelt, z.B. gegenüber anderen Patienten.
  • Krankenakten werden manchmal mit von außen sichtbaren Vermerken gekennzeichnet.
  • Bestimmte Maßnahmen (z.B. Operationen oder Entbindungen HIV-positiver Frauen) werden nicht durchgeführt, weil das Personal nicht ausreichend über HIV informiert ist.

Auch in meiner früheren Heimat Augsburg hatte ich mit derartigen Problemen zu kämpfen. Das sind Tatsachen die wir so nicht hinnehmen dürfen – hier geht’s um Stigmatisierung.

Deswegen möchte ich an dieser Stelle jeden auf die

Kontaktstelle zu HIV-bedingter Diskriminierung
Kerstin Mörsch
Deutsche AIDS-Hilfe e.V.
Wilhelmstr. 138
10963 Berlin
Telefon: 030 690087-67 (Bürozeiten: Mo, Di und Fr, 9–15 Uhr)
E-Mail: gegendiskriminierung@dah.aidshilfe.de.

aufmerksam machen. Kerstin Mörsch dokumentiert derartige Fälle, vermittelt, klärt auf und hilft und macht somit diese Welt ein kleines Stückchen besser – jeden Tag.

„Für eine stigmatisierende Sonderbehandlung gibt es keinen vernünftigen Grund. Wenn die normalen Hygienevorschriften eingehalten werden, ist eine HIV-Übertragung im medizinischen Alltag ausgeschlossen. HIV-positive Patienten können behandelt werden wie alle anderen. Medizinisches Personal sollte das wissen und mit gutem Beispiel vorangehen“, meint auch Dr. med. Georg Behrens, Präsident der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG).

Auch die Bundeszahnärztekammer hat die Schwierigkeiten längst erkannt und hilft mit ihre Zahnärzte aufzuklären. Doch obwohl das Problem nicht neu ist, scheint die Diskriminierung nur sehr langsam aus den Behandlungszimmern von einigen Zahnarztpraxen zu verschwinden.

Umso wichtiger ist es auch mal zu sagen wo es so richtig gut läuft – zum Beispiel bei meinem Zahnarzt Dr. Jens Ude in Berlin. Das kleine Team ist hochprofessionell – HIV ist dort kein Thema, der Patient steht im Mittelpunkt – egal mit welchem HIV-Status.

Wer in Berlin noch einen Zahnarzt braucht – meine Empfehlung:

www.zahnarztpraxis-ude.de

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In der Hoffnung das HIV & Zahnärzte hoffentlich in der Zukunft kein Thema mehr ist über das man schreiben muss, widme ich mich jetzt mal kurz dem Packen für die Positiven Begegnungen 2016 in Hamburg – morgen geht’s da los.

Und sicherheitshalber putze ich gleich nochmal die Zähne, wer weiß ob Papa nicht vielleicht doch zuschaut. Derartige Erziehungsmethoden machen zwar schöne, weiße Zähne aber eben auch eine Paranoia 😉

Irgendwie wäre mir da die Zahnfee lieber gewesen…

Die PrEP kommt…

Ich glaub es geht schon wieder los: In zwei Tagen starten die Positive Begegnungen 2016 in Hamburg. Ich freue mich von dort für euch über viele spannende Themen und Neuigkeiten zu HIV/Aids in meinem Blog flosithiv.com zu berichten.

Folgt gerne diesem Blog, liked, kommentiert und diskutiert mit mir und meinen Gesprächspartnern – wir freuen uns drauf. Die Positiven Begegnungen finden alle zwei Jahre statt und bieten der Community eine Plattform zur Weiterbildung und zum Austausch bis zum kommenden Sonntag in der schönen Hansestadt.

Und im Vorfeld der PoBe stehen die Zeichen bei der EU schon mal ganz gut: Die EU-Komission erteilte gestern die Zulassung zur HIV-PrEP. Sie verhindert die Übertragung von HIV prophylaktisch. Neben dem Kondom bietet die PrEP eine weitere Schutzmöglichkeit vor dem HI-Virus. Vorallem schwule Männer mit hohem HIV-Risiko bietet die PrEP zukünftig eine gute, weitere Schutzmöglichkeit.

Mehr Infos zur PrEP findet ihr bereits bei mir im Blog unter:

https://flosithiv.com/20…/…/24/darf-ich-doktor-zu-dir-sagen/

Neben dem Medizinreferenten Armin Schafberger (den ich so gern den Ehrendoktor verleihen würde) sprach ich bei meiner Teilnahme der Welt-Aids-Konferenz in Durban/Südafrika auch mit Dr. (diesmal wirklich ein Doktor-Titel ;-)) Will Nutland von Prepster.info – einer Seite die Menschen beim Erwerb der PrEP behilflich ist. Seht selbst: