Superhelden leben weiter – ein Nachruf auf den Chemsex-Pionier David Stuart

Er war mein Superheld. David Stuart ist tot. Sein Einsatz für Chemsex-User:innen ist und bleibt sein Lebenswerk. Er prägte nicht nur den Begriff „Chemsex“ überhaupt, sondern setzte sich mich voller Liebe und Zugneigung und mit dem Mut neue Wege in der Therapie zu gehen für die Szene ein.

Chemsex beschreibt den Konsum von Substanzen (Chems) während dem Sex. David etablierte den Begriff und schärfte den Blick auf eine Community, für die wir vor rund zehn Jahren noch nicht einmal einen Namen hatten.

In diesen zehn Jahren entwickelte sich auch der Blick der Präventionsarbeit über den Tellerrand der reinen Party- & Sexdrogen hinaus. Menschen begriffen und erkannten, dass mit der Gruppe der Chemsex-User:innen neue Herausforderungen auf die Prävention zukommen. Diesen Blick zu schärfen und damit einen neuen Zugang zur Hilfsangeboten zu ermöglichen, ist das Lebenswerk von David Stuart.

„Nach einem Jahrzehnt des Drogenkonsums fand ich mich nüchtern wieder, mit einem Strafregister wegen Drogenhandels, einer beträchtlichen Anhäufung von Traumata und einem Feuer in meinem Unterleib, was mich dazu brachte, das Bewusstsein für Chemsex zu schärfen“. So beschrieb David in eigenen Worten den Beginn seiner Arbeit, von deren Früchte heute so viele Menschen profitieren.

Seine Strahlkraft schien weit über die revolutionäre Dean Street 56 in London hinaus. Tausenden Menschen hat David mit seinem Therapieansatz das Leben gerettet. Noch mehr Menschen hat er das Thema zugänglich gemacht.

In so vielen meiner Vorträgen habe ich über seinen Ansatz zur Therapie gesprochen, mit Fachleuten über den Reigen der Substanzen diskutiert und das niedrigschwellige Angebot in der Dean Street mit leuchtenden Augen bestaunt.

Kein Screening des Films „Chemsex“ verging, in denen die Zuschauer:innen danach meine Meinung teilten: David ist ein Superheld.

Nun sind auch Superhelden nicht unsterblich. Aber ihr Wirken, ihr Vermächtnis und das Ergebnis ihrer Taten lebt weiter. Auch bei dir, David. In diesem Sinne:

Es war ein Privileg von dir zu lernen. Und ich bin dir unheimlich dankbar, noch hier zu sein.

Machs gut, du Chemsex-Pionier.

Mein nächster Chemsex-Vortrag ist Ende März in Münster. Ich denk an dich. ❤

Corona & HIV: aktuelle Infos

Nachfolgend habe ich euch mal alle aktuellen Infos zum Thema Corona & HIV zusammengestellt. Der Artikel klärt die Fragen, ob HIV-Medikamente gegen den Corona-Virus helfen und wie weit die aktuelle Forschung ist.

Die Deutsche Aidshilfe hat in einem Interview mit ihrem Medizinreferenten Achim Schafberger kürzlich die wichtigsten Fragen geklärt – hier ein Auszug aus dem Text den ihr hier in voller Länge nachlesen könnt: https://magazin.hiv/2020/02/28/coronavirus-und-hiv/

(Quelle: Deutsche Aidshilfe):

Haben das neue Coronavirus und HIV Ähnlichkeiten? Einigen Berichten zufolge sollen bestimmte HIV-Medikamente ja auch gegen Coronaviren wirken.

Das Coronavirus, das uns gerade in Atem hält – genauer: SARS-CoV-2 – und auch andere Coronaviren brauchen zu ihrer Vermehrung unter anderem ein Enzym namens Protease. Und es gibt eine Gruppe von HIV-Medikamenten, die die HIV-Protease blockieren: die sogenannten Protease-Hemmer oder Protease-Inhibitoren. Schon 2004 hat man die Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir, kombiniert im Präparat Kaletra, versuchsweise gegen das mit SARS-CoV-2 verwandte SARS-Virus eingesetzt und eine gewisse Wirkung erzielt.

Derzeit werden verschiedene Medikamente gegen das Coronavirus untersucht, auch HIV-Medikamente

Allerdings ist Skepsis angesagt: Bei Laborversuchen mit dem ebenfalls verwandten MERS-Virus zeigte sich keine große Wirksamkeit der HIV-Medikamente gegen die Virusvermehrung.

Zurzeit werden verschiedene Substanzen gegen das Coronavirus an Patient_innen getestet, unter anderem auch der schon erwähnte gegen HIV wirksame Protease-Inhibitor Kaletra (Lopinavir/Ritonavir). Erst wenn diese Studien abgeschlossen sind, wissen wir, ob und welche Substanz auch gegen das Coronavirus wirkt. Eine der Kaletra-Studien, die in Ghuangzou in China an 125 Patient_innen durchgeführt wird, wird voraussichtlich Ende Juli abgeschlossen sein – ebenso eine zweite in Hongkong mit 70 Patient_innen (Kaletra in Kombination mit Interferon und Ribavirin). Man kann sich auf der englischsprachigen Webseite www.clinicaltrials.gov selbst ein Bild über die laufenden Studien machen, wenn man im Suchfeld „Conditions or disease“ das Wort coronavirus eingibt.

Übrigens: Die Verschwörungstheorie, das neue Coronavirus sei im Labor unter anderem aus HIV-Erbgutabschnitten „zusammengebaut“ worden, kann man nicht ernst nehmen. Sie geht vor allem auf einen unveröffentlichten Artikel aus Indien zurück, wonach bestimmte Abschnitte des Coronavirus-Erbguts Ähnlichkeit mit Teilen des HIV-Erbguts haben. Der Beitrag wurde aber sofort von Wissenschaftler_innen zerpflückt – die angesprochenen Abschnitte sind so winzig, dass sie auch bei vielen, vielen anderen Genen vorkommen.

Oft liest man ja, dass ältere Menschen oder Menschen mit Begleiterkrankungen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf der Coronavirus-Infektion haben. Gilt das auch für Menschen mit HIV?

Darüber wissen wir noch nichts. Bisher wurden in den Studien nur die sogenannten Volkskrankheiten genannt: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und Diabetes mellitus. Ein geschwächtes Immunsystem muss man sicher auch zu „Vorerkrankungen“ rechnen. Die meisten Menschen mit HIV nehmen aber HIV-Medikamente. Die Medikamente unterdrücken die HIV-Vermehrung im Körper und schützen so das Immunsystem. Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass Menschen mit HIV-Behandlung durch eine Coronavirus-Infektion besonders gefährdet sind – aber wir haben einfach noch keine Daten dazu.

Wie können Menschen mit HIV sich vor einer Ansteckung mit Coronaviren schützen?

Menschen mit HIV schützen sich genauso wie alle anderen vor Coronaviren.

An erster Stelle steht: Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen – regelmäßig und gründlich.

Das heißt: die Hände von allen Seiten und bis zu den Handgelenken mit Seife einreiben und dabei 20 bis 30 Sekunden Zeit lassen, dann Seife unter fließendem Wasser abspülen und die Hände mit einem sauberen Tuch trocknen.

An erster Stelle steht Hände waschen, Hände waschen, Hände waschen

Wasser und Seife reichen – ein Desinfektionsmittel ist nicht nötig.

Vor allem sollte man die Hände immer dann waschen, wenn man etwas angefasst hat, was auch andere Menschen anfassen. Dazu gehören zum Beispiel Haltegriffe im Bus oder der U-Bahn, Türklinken, Toilettenspülungen usw.

Wichtig ist auch, die Hände möglichst vom Gesicht fernzuhalten und Nase, Mund und Augen nicht zu berühren.

Wer sein Risiko weiter reduzieren will, sollte außerdem Abstand zu anderen Menschen halten – empfohlen wird mindestens ein Meter – und größere Veranstaltungen meiden.

Außerdem sollte man in die Armbeuge husten oder niesen – die Hand vor dem Mund hält Tröpfchen nicht auf.

Welche weiteren Tipps zu Corona gibt es für Menschen mit HIV?

Keine anderen als sonst auch.

Aber jede und jeder sollte zumindest in den nächsten Wochen überlegen, ob geplante Reisen oder Veranstaltungen vielleicht verschoben werden sollten. Das gilt natürlich besonders für Reisen in Gebiete, die vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiete ausgewiesen werden.

Was sollten Menschen mit HIV in Sachen Coronavirus noch bedenken?

Menschen mit HIV sollten – wie alle Menschen mit chronischen Erkrankungen, die Medikamente brauchen – darauf achten, bei Reisen eine Medikamentenreserve für zwei zusätzliche Wochen dabei zu haben. Falls eine Quarantäne verhängt wird, wie gerade bei dem Hotel auf Teneriffa, hat man dann genug Medikamente dabei.

Außerdem sollten sich auch Menschen mit HIV vor Reisen mit dem aktuellen Nordhalbkugelimpfstoff gegen Grippe impfen lassen. Neben dem Schutz vor Grippe trägt die Impfung auch dazu bei, unnötige Corona-Verdachtsfälle zu vermeiden – das schont das Gesundheitssystem.“

Einen weiteren spannenden Aspekt gegen die Epidemie mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 liefert der vfa – der Verbund der forschenden Pharmaunternehmen (Quelle: vfa):

Auch wenn die Entwicklung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 mit nie gekannter Geschwindigkeit vorangeht, ist es doch unwahrscheinlich, dass man schon 2020 mit Massenimpfungen der Bevölkerung rechnen kann. Deshalb richten sich die Hoffnung darauf, dass schon schneller Medikamente gefunden werden, mit denen bereits Infizierte behandelt werden können, so dass die von diesem Virus verursachte Krankheit Covid-19 rasch abklingt.

Die Hoffnungen konzentrieren sich insbesondere auf Medikamente, die schon gegen eine andere Krankheit zugelassen oder zumindest in Entwicklung sind. Sie müssten nur umfunktioniert werden, was mutmaßlich schneller möglich ist als eine grundständige Neuentwicklung.

In der Tat werden schon eine ganze Reihe vorhandener Medikamenten darauf geprüft, ob sich damit die aktuelle Corona-Erkrankung behandeln lässt. Dazu kommt aber auch mindestens eine geplante Neuentwicklung. Hier eine Übersicht ohne Garantie auf Vollständigkeit:

Gilead Sciences erprobt sein intravenöses experimentelles Medikament Remdesivir, das ursprünglich gegen Ebola-Infektionen entwickelt wurde (sich da aber nicht bewährt hat). Studien haben bereits begonnen.

APEIRON Biologics (Wien) und die Universität von British Columbia erproben derzeit in einer Phase I-Studie das Medikament APN01, das aus der SARS-Forschung hervorgegangen ist.

Regeneron erprobt ein Medikament mit den monoklonalen Antikörpern REGN3048 und REGN3051 in einer Phase I-Studie mit Freiwilligen. Diese Antikörper kommen in Betracht, weil sie an ein Protein des MERS-Coronavirus binden, das mit SARS-CoV-2 verwandt ist.

In China wurden dem Unternehmen Zhejiang Hisun Pharmaceutical klinische Studien zur Covid-19-Therapie mit seinem antiviralen Medikament mit dem Wirkstoff Favilavir genehmigt. Favilavir hat bislang nur eine Zulassung für die Grippetherapie.

Ebenfalls eigentlich gegen Grippe in Entwicklung ist ATR-002, ein Kinaseinhibitor des Unternehmens Atriva Therapeutics in Tübingen. Nun prüft das Unternehmen, ob der Wirkstoff auch die Vermehrung von SARS-CoV-2 hemmen kann.

CytoDyn prüft, ob sein Medikament mit dem Antikörper Leronlimab gegen das Coronavirus wirksam ist. Entwickelt wurde es gegen HIV, wofür es auch schon in Patientenstudien erprobt wird.

AbbVie hat ein weiteres HIV-Medikament mit der Wirkstoffkombination Lopinavir / Ritonavir chinesischen für die Erprobung als Covid-19-Therapeutikum zur Verfügung gestellt.

Das chinesische Unternehmen Ascletis kombiniert Ritonavir stattdessen mit einem in China gegen Hepatitis C zugelassenen Medikament mit dem Wirkstoff Danoprevir. Studien laufen.


Pfizer erprobt derzeit im Labor antivirale Wirkstoffe, die das Unternehmen schon zuvor gegen andere Viren entwickelt hat. Sollten sich ein oder mehrere davon in Labortests bewähren, würde Pfizer sie den einschlägigen toxikologischen Tests unterziehen und Ende 2020 mit der Erprobung mit Menschen beginnen. Auch MSD untersucht derzeit, welche seiner antiviralen Wirkstoffe gegen SARS-CoV-2 wirksam sein könnten.

Innovation Pharmaceuticals erprobt derzeit, ob sein Wirkstoff Brilacidin für Covid-19-Patienten hilfreich sein kann. Ursprünglich wurde der immunmodulatorische Wirkstoff zur Therapie von entzündlichen Darmerkrankungen und Entzündungen der Mundschleimhaut entwickelt.

Von chinesischen Forschern kam vor einigen Tagen auch die Nachricht, dass sich der alte Malaria-Wirkstoff Chloroquin in einer klinischen Studie als wirksam erwiesen habe.

Vir Biotechnology hat Antikörper aus dem Blut von Patienten gewonnen, die 2003 eine SARS-Infektion überstanden haben. Nun prüft das Unternehmen, ob diese auch gegen das nah verwandte SARS-CoV-2-Virus wirksam sind. Für die biotechnische Produktion von „Kopien“ solcher Antikörper kooperiert Vir Biotechnology mit dem chinesischen Unternehmen WuXi Biologics.

Der gleichen Logik folgt das Projekt des Unternehmens Takeda: Dort will im Rahmen des Projekts TAK-888 ein Antikörpergemisch aus dem Blutplasma von Personen gewinnen, die von Covid-19 genesen sind (oder später von Menschen, die gegen Covid-19 geimpft wurden), und zu einem Medikament verarbeiten. Solch ein Gemisch heißt anti-SARS-CoV-2 polyclonal hyperimmune globulin (H-IG); die Behandlung damit „Passivimmunisierung“. Anders als bei Vir Biotechnology erhalten die Covid-19-Patienten dann also direkt aus menschlichem Plasma gewonnene Antikörper und keine biotechnisch produzierten „Kopien“ davon.

Weitere Forschungsgruppen in der Welt verfolgen den Ansatz, Antikörper aus Plasma zur Passivimmunisierung einzusetzen.

SchwuZ: we love to entertain you.

Du kennst alle Pro 7-Reportagen über Schwertransporte, die gefährlichsten Jobs der Welt oder die schönsten Baumhaus-Hotels? Dann hätte ich heute etwas wirklich neues für dich. 😉

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Der TV-Sender war kürzlich zu Gast an meinem Arbeitsplatz – dem Berliner queeren Club SchwuZ. Entstanden ist eine nette Kurzreportage über die wichtige Präventionsarbeit die wir als Club zusammen mit unserem Team und wichtigen Partner_innen wie der Deutschen AIDS-Hilfe leisten.

In Deutschland leben aktuell rund 90.000 Menschen mit HIV. Davon wissen rund 13.000 nicht, dass sie infiziert sind.

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„Die Leute sind immer noch überrascht davon, dass man HIV nicht weitergeben kann wenn man gut therapiert ist. Das ist wirklich erstaunlich, denn dieser Effekt ist seit mindestens zehn Jahren gut belegt, wissenschaftlich sehr gut abgesichtet. Aber die allerwenigsten Menschen kennen diese super gute Nachricht. HIV ist nicht mehr übertragbar – wie geil ist das denn, könnte man sagen“ erzählt Holger Wicht, Pressespreche des Deutschen AIDS-Hilfe e.V.

Hier könnt ihr euch die Reportage ansehen:

Es freut mich, wenn ihr meinem Blog folgt mit mir diskutiert und durch euer Teilen in die sozialen Medien mithelt, diese Botschaft in die Welt zu tragen. Danke dafür.

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Mehr Informationen zum Berliner Club SchwuZ findest du hier: www.SchwuZ.de

Franz: Seit 1987 HIV-positiv. Und er wird nicht älter…

Franz und Cher teilen ein magisches Geheimnis: Beide werden niemals älter. Wie das funktioniert verrät Franz in diesem Video. Und falls nicht, erfährt ihr auf jeden Fall wie es für Franz war in den 80er Jahren mit dem HI-Virus positiv getestet worden zu sein, wie es war alle Freunde an HIV zu verlieren und dennoch heute voller Lebenslust für das Zentrum für Aidsarbeit in Schwaben und die Kampagne ICH WEISS WAS ICH TU (IWWIT) der Deutschen Aids-Hilfe vielen Menschen Mut zu machen.

Seit 1987 ist Franz HIV-positiv. Das ist so ungefähr als ich geboren wurde. Ja, ungefähr 😉 Was uns jedenfalls seit rund fünf Jahren eint, ist der gemeinsame Einsatz für die IWWIT-Kampagne, insbesondere im Fetisch-Bereich.

Am Freitag startet in Berlin Folsom Europe – der Höhepunkt jeden Jahres für die Fetisch-Community in Europa und für Franz eines der wichtigsten Termine in seinem mehr als vollen Reisekalender zu Präventionseinsätzen. Mit viel Einsatz und noch mehr Reisegepäck verwandelt sich dann auch Franz wieder in einen wahrhaftigen Fetischkerl. Wie genau das aussieht,  das bleibt an dieser Stelle ein Geheimnis.

Nur soviel: Cher ist neidisch. Aber seht einfach selbst:

Mehr Informationen zum AWO-Zentrum für Aidsarbeit Schwaben gibt es unter: http://www.zas-schwaben.de

Mehr Informationen zu Franz´Engagement bei ICH WEISS WAS ICH TU: http://www.iwwit.de/kampagne/team/franz