Du bleibst unvergessen, Wolfgang Wermter

Die Nachricht vom Tod meines langjährigen ICH WEISS WAS ICH TU-Kollegen Wolfgang Wermter hat mich getroffen und traurig gemacht.

Wolfgang war immer für die Community da. Immer in Aktion. Immer fröhlich. Oft auch unbequem, wenn es der Sache diente. Doch das war immer richtig.

Genau an dieses Engagement hat er nun seinen Herzschlag verloren. Wir vergessen keine Minute davon.

Meine Gedanken sind bei seinem Mann Andreas und all den anderen lieben Menschen, der Familie, Freund_innen und Wegbegleiter_innen die Wolfgang nun in Trauer zurücklässt. Möge seine Seele Frieden finden.

Mein letztes Interview habe ich mit Wolfgang vor drei Jahren geführt.

Es wurde bislang nicht veröffentlicht. Es ist mein letzter Gruß und meine Verneigung vor einem Präventionskollegen, der sich über Jahrzehnte engagiert und mit ganzem Herzen für die Themen „Schutz durch Therapie“ und „Älter werden als schwuler Mann“ eingesetzt hat.

Er und sein Mann waren das erste offen lebende diskortante Paar (ein Partner ist positiv und unter wirksamer Therapie, der andere negativ), welches sich bei ICH WEISS WAS ICH TU, der Präventionskampagne der Deutschen Aids-Hilfe, engagiert und auf zahlreichen Veranstaltungen den Fragen von Interessierten gestellt hat.

Wolfgang und Andreas haben einen entscheidenden Beitrag für die Verbreitung der Botschaft „Schutz durch Therapie“ geleistet.

Wolfgang starb nach langer Krankheit. Sein Lebenswerk bleibt unvergessen.

Rebecca: „Ich muss dir was sagen.“

Rebecca unterstützt die Kampagne wissen-verdoppeln.hiv

Kurz bevor Rebecca Jackson Sex mit ihrem Freund haben will, sagt er ihr: „Ich bin HIV-positiv.“ Die Nachricht ist für sie zunächst ein Schock. Doch seit diesem Moment setzt sich Rebecca dafür ein, dass immer mehr Menschen wissen: „Schutz durch Therapie funktioniert.“

2018 schrieb Rebecca unter dem Titel „Fucking with HIV“ einen Gastbeitrag für magazin.hiv. Ein Auszug:

Ich muss dir was sagen. Das sind nicht die Worte, die ich hören will. Eigentlich überhaupt nicht und schon gar nicht jetzt, wo ich nackt und geil bin, und nicht aus dem Mund, den ich gerade geküsst habe. Ich bin HIV-positiv. Und in meinem Kopf dreht sich „Sterben-Kinder-in-Afrika-Tom-Hanks-Haarausfall-Sterben-superabgemagert“.

Das war vor über einem Jahr. Mein Partner, den ich damals einfach weiter küsste, und ich haben seitdem so manche komplizierte Situation durchlebt, sowohl emotional als auch körperlich. Von diesen Erfahrungen möchte ich hier erzählen, denn ich hoffe, dass ich damit die Leute aufklären und etwas gegen das Stigma tun kann, das es rund um HIV immer noch gibt.

„Ich bin HIV-positiv.“

„Äh. Pfff. Okay. Puh. Also, äh, okay, darüber muss ich erst mal nachdenken, bevor wir Sex haben.“

Kein „Danke, dass du mir das erzählst!“, kein „Okay, und wie kommst du damit klar?“, kein „Tut mir leid. Aber ich habe gehört, dass das kein Riesenproblem ist. Nimmst du antiretrovirale Medikamente, sodass deine Viruslast unter der Nachweisgrenze ist und HIV nicht übertragen werden kann?“.

„Äh. Pfff. Okay. Puh. Also, äh, okay, darüber muss ich erst mal nachdenken, bevor wir Sex haben.“

Stattdessen fühlt er sich zurückgewiesen. Ausgegrenzt. Und ich habe Angst und Vorurteile und bin sogar enttäuscht. Enttäuscht, dass ich jetzt keinen Sex mehr mit diesem superheißen Typen haben kann, denn wenn ich Sex mit ihm habe, werde ich krank. Oder nicht?

Wer den gesamten Gastbeitrag von Rebecca lesen will, findet diesen hier: https://magazin.hiv/2018/05/10/fucking-with-hiv/

Rebecca schreibt nicht nur, sondern setzt sich auch sonst dafür ein, dass die Botschaft „Schutz durch Therapie wirkt“ verbreitet wird. Sie unterstützt die aktuelle Kampagne http://www.wissen-verdoppeln.hiv

Zum Kampagnenstart traf ich Rebecca für ein kurzes Interview in Berlin:

Unter http://www.wissen-verdoppeln.hiv findet ihr auch andere spannende Botschafter_innen mit ihren Geschichten. Ferner könnt ihr dort eure eigene Geschichte erzählen. Unterstützt die Kampagne!

https://wissen-verdoppeln.hiv

#merktseuch

Nur zehn Prozent der Menschen in Deutschland wissen das eine wirksame HIV-Therapie vor einer Übertragung des Virus schützt – ganz ohne Kondom. Das bedeutet umgekehrt von 10 Menschen weiß das bislang nur eine Person.

Und das zehn Jahre nachdem das Swiss-Statement diese Botschaft in die breite Öffentlichkeit getragen hat. Grund genug also für Präventionist_innen, HIV-Aktivist_innen und Freund_innen heute in der Flying Condoms Aktion in vier Städten nochmals ganz laut darauf aufmerksam zu machen. Flo war in Berlin mit dabei.

Eine HIV-Therapie schützt vor Ansteckung: #merksteuch

Ich freue mich über jede Person die dieses Video teilt – gern mit dem #merktseuch.

Fliegende Kondome in vier Städten

Am Samstag, 3. Februar fliegen in vier Städten Kondome. Grund dafür ist das 10jährige Jubiläum des sogenannten Swiss-Statements. Schutz durch Therapie – vor zehn Jahren hat Michèle als Pionierin der HIV-Selbsthilfe an einem Statement mitzuarbeiten, das heute Grundlage der Prävention ist.

Im Interview sprach sie mit mir über die schwierigen Anfäge, die Fassungslosigkeit als sie als „Mörderin“ bezeichnet wurde und die Aktion in vier Städten mit der am Samstag in Berlin, Kassel, Magdeburg und München das Jubiläum gefeiert wird:

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Wolfgang: „Das ist der Mann, der mir mein Leben wiedergegeben hat.“

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Es ist die Zeit der großen Preise – ob Oskars, Golden Globes oder die Berliner Bären.

Doch die wahren Superhelden sind oftmals nicht die Held*innen der Kinoleinwände, sondern Menschen wie Wolfgang Wermter – der Koblenzer setzt sich seit über 40 Jahren für die queere Community ein. Dafür zeichnet ihn die Stadt Koblenz in dieser Woche aus.

Viele Jahre konnte ich im Rahmen der Kampagne ICH WEISS WAS ICH TU selbst mit Wolfgang zusammenarbeiten. Wolfgang verkörpert Selbsthilfe wie ich sie mir vorstelle: Offen, kommunikativ und für die gute  Sache auch durchsetzungsstark. Mit Wolfgang konnte man jedoch auch streiten und diskutieren  – stets auf Augenhöhe und stets für die Sache. Menschen wir er tun der Präventionslandschaft gut – Authentizität verpflichtet.

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Ende 2015 hat sich Wolfgang aus dem aktiven Ehrenamtsleben bei ICH WEISS WAS ICH TU zurückgezogen. Trotz gesundheitlicher Einschränkungen macht er sich aber nach wie vor für Menschenrechte stark – zuletzt auch gegen den Aufmarsch der Rechtspopulisten in Koblenz mit seinem klaren Bekenntnis: Koblenz ist bunt.

Auf vielen CSDs haben wir zusammen am Stand gestanden und mit Interessierten über das Leben mit HIV gesprochen – und das obwohl Wolfgang gar nicht HIV-positiv ist.

HIV-positiv ist Wolfgangs Partner Andreas. Gemeinsam machten sich beide stets stark für diskordante Partnerschaften (das sind Partnerschaften in denen eine/r HIV-positiv ist und eine/r HIV-negativ). Sie erklärten das Thema „Schutz durch Therapie“ schon lange bevor das Thema in aller Munde war.

Was ist Schutz durch Therapie? Hier die Erklärung der Deutschen AIDS-Hilfe:

Die Methode beruht darauf, dass der HIV-positive Partner eine gut funktionierende HIV-Therapie einnimmt und dass in seinem Blut seit mindestens einem halben Jahr keine HIV-Viren mehr nachweisbar sind. Dann befinden sich nämlich auch in Körperflüssigkeiten wie Sperma und Scheidenflüssigkeit sehr viel weniger Viren.  Damit ist eine HIV-Übertragung so gut wie ausgeschlossen.

Wichtig: Der HIV-positive Partner muss seine Therapie regelmäßig einnehmen und muss den Erfolg der Therapie regelmäßig  überprüfen lassen.

Die Viruslastmethode sollte man nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt anwenden. Wer mehr Infos dazu braucht findet diese hier.

 

Wolfgangs ehrenamtliches Engagement verdient die Ehrung der Stadt Koblenz und all jener die mit ihm zusammengearbeitet haben. Im nachfolgenden Video gibts keine klassische Dankesrede wie in Hollywood, dafür Wolfgangs schönsten Moment im Ehrenamt und das Resumee eines engagierten Lebenswerks in Koblenzer Mundart  😉

Herzlichen Glückwunsch, Wolfgang!

 

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super, Mann und Frau.

Alles was recht ist: Flo ./. Moral

Wenn Beate Tschäpe ihr Schweigen bricht, tu ich das auch: Ich bin kein Straftäter.

Um was geht es eigentlich? HIV-Positive, wie ich, werden in Deutschland immer noch vor Gericht verurteilt, nachdem es beim Sex zu einer HIV-Übertragung gekommen ist. Damit wird die Verantwortung für den Schutz beim Sex allein auf den HIV-Positiven gelegt.

Das geht so nicht: Jeder ist für seinen Schutz beim Sex selbst verantwortlich!

Was so einfach klingt ist in der Praxis – und vorallem vor deutschen Gerichten noch schwer zu kommunizieren. Nach voherrschender Rechtssprechung müssen HIV-Positive auf den Gebrauch von Kondomen bestehen oder ihre Partner über die Infektion informieren.

Irrwitzig, schon deswegen weil jemand wie ich – der regelmäßige seine hochwirksame HIV-Medikation einnimmt – überhaupt nicht ansteckend ist.

Mehr noch:

Der Schutz durch Therapie ist nach aktuellen Studien wirksamer als der Schutz durch ein Kondom.

Höchste Zeit also, dass sich hier die Rechtssprechung ändert: Erste Urteile erkennen inzwischen die medizinischen Fakten durch Schutz durch Therapie an – gut so.

Die Garantie nicht vor Gericht gestellt zu werden, ist das noch lange nicht.

Es wird daher höchste Zeit die Kriminalisierung von Menschen mit HIV und Aids zu beenden. Bei einvernehmlichen sexuellen Handlungen darf der Straftatbestand nach §§ 223 und 224 StGB wegen versuchter oder gefährlicher Körperverletzung erst gar nicht mehr zur Anwendung kommen.

Wer mit einem anderen Menschen Sex hat, hat selbst Sorge für seinen Schutz zu tragen.

So einfach ist das, nicht wahr?

Wer weitere Infos zum Thema HIV & Strafrecht möchte, findet hier Infos:

POSITIVHANDELN.DE

Deutsche AIDS-Hilfe e.V.