Ulf: Elf Minuten mehr Inhalt als Trump

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Es ist vollbracht – Amerika hat einen neuen Präsidenten.

Es regnete zur Vereidigung von Trump.

Anders als die Geistlichen in ihrer Rede halte ich das nicht für eine präsidiale Segnung des Himmels sondern für eine offene Trauerbekundung.

Wenn ihr die 14-minütige Antrittsrede verpasst habt, habt ihr ganz sicher nicht viel versäumt. Es blieb bei den Phrasen des Wahlkampfs und dem „Make-America-great-again-Tourette.“

 

Besonders bedenklich: Kurze Zeit danach waren schon die Unterseiten des LGBT-Reports im Netz nicht mehr erreichbar.screenshot-2017-01-20-20-05-21

Jetzt könntet ihr natürlich den Abend damit verbringen euch die 14 Minuten doch nochmals im Internet reinzuziehen.

Bringt aber auch nichts. Lassen wir dem neuen Mann im Weißen Haus seine ersten 100 Tage und schauen dann wieder nach wie „great-again“ Amerika dann ist – auch in Sachen Gesundheitsversorgung und Versorgung von HIV-Positiven.

 

Genug Zeit also, sich den Menschen zu widmen, die wirklich was zu sagen haben: In nur elf Minuten konnte mir Ulf-Arne Hentschke-Kristal – Vorstandsmitglied Deutsche AIDS-Hilfe e.V. – seine Zukunftsvisionen und Werte näher bringen. Und ich verspreche euch: Da ist mehr politischer Inhalt, mehr Menschlichkeit und mehr Format dahinter als bei Trump.

Seht einfach selbst:

Hinweis: Das Interview wurde Ende letzten Jahres geführt. Nächstes Jahr ist somit jetzt 😉

 

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Make positHIVe Selbsthilfe great again!

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen…

Ich oute mich: Ich bin ein besorgter Bürger. Ein besorgter, schwuler Bürger. Ja, wahrscheinlich sogar noch schlimmer: Ein besorgter, schwuler, HIV-positiver und drogenakzeptierender Bürger der sich ein Deutschland wünscht, dass weltoffen und multi-kulti ist. Ich wünsche mir ein Deutschland mit einem Herz am richtigen Fleck.

Wo dieser richtige Fleck ist, da sind sich mitunter die Parteien dieses Landes uneinig. Zwar hatte die Schwesterpartei der CDU – die mit dem „sozial“ in der Mitte des Namens – in der Vergangenheit deutlich formuliert, es dürfe kein Herz rechts von ihrem geben, jedoch hat die AfD sie zwischenzeitlich anatomisch eines besseren belehrt. Das nennt man wohl eine Organverpflanzung.

Wenn also die unseren Motor Deutschland – jenen viel gepriesen gesunden Körper der EU – zukünftig ein Herz antreiben wird, dass ein Stück nach rechts verpflanzt wurde, gehts uns allen besser. Das meint zumindest die Alternative für Herzen, ähm Deutschland.

Das ist logisch, denn ein verpflanztes Herz kann ja auch gleich alle Probleme des Körpers viel besser lösen: Zuzug von Menschen aus Kriegsgebieten zum Beispiel, aber auch die bestehende Arbeitslosigkeit des Herzträgers und wahrscheinlich auch alle andern Symptome die ein kranker Körper so hat.

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Mein Opa ist über 90 Jahre und hat Herzprobleme. Dennoch hat er sich gegen eine Operation entschieden. „Weisst du Florian“ sagt er, „eine OP am Herzen mit 92, die Narkose, die möglichen Komplikationen – das ist keine gute Idee.“ Sein Erfolgsrezept: Er nutzt neben seinem Herzen auch sein Hirn.

Er wägt ab, stellt Risiken den Chancen gegenüber und trifft eine Entscheidung – ein kluger Deutscher. Eine Klugheit die ihm weder der Zweite Weltkrieg, noch die schwierigen Nachkriegsjahre oder sonst ein Ereignis in seinen bald 100 Jahren nehmen könnten.

Er ist mein Held. Er ist jemand der Ärzten trotz Doktortitel und weissem Umhang seine Meinung sagt, der sich positioniert und selbst entscheidet. So wie in diesen Tagen die vielen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, die eine neue Landesregierung wählen.

Auch sie müssen sich entscheiden, wem sie ihr Vertrauen schenken und wer die „Operation Deutschland“ in ihrem Bundesland in den nächsten Jahren leiten soll. Die Menschen die dabei operieren tragen zwar meistens eher graue Anzüge zu grauer Miene, versprechen aber ungefähr das gleiche wie die meisten Ärzte: Die ultimative Besserung.

Ob für Schmerzen am Zeh jedoch gleich das ganze Herz ein Stück nach rechts versetzt werden muss, dass wissen weder mein Opa noch ich. Noch haben jedoch bis zum Schließen der Wahllokale die Menschen Zeit über die Risiko der Herztransplantation nachzudenken und sich dafür zu entscheiden, dass Herz da zu belassen wo es hingehört – am richtigen Fleck.

Und nachdem Gesang nicht zu meinen absoluten Stärken gehört und Opa auch nicht wollte, haben wir Jennifer Rostock hier den Vorzug für die musikalische Darbietung überlassen. An dieser Stelle ein herzlichen Dank an Shija vom Management der Band für die freundliche Genehmigung zur Einbindung nachfolgenden Videos:

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Ein Kommentar von Florian Winkler-Ohm, einem um AfD-Wähler besorgten Bürger und Journalisten, der nicht zwangsläufig die Meinung der von ihm belieferten Redaktionen wiedergibt. Mehr von ihm unter http://www.flosithiv.com